Auf den Spuren Luciano Benettons wandelt derzeit der deutsche Modemacher Otto Kern. Mit einer provozierenden Anzeigenkampagne trat er erneut die Diskussion über den guten Geschmack in der Werbung los. Stein des Anstoßes ist ein Motiv, das im November erstmals die Leserinnen der noblen Frauenzeitschriften Marie Claire und Elle für die Produkte des Modemachers aus der Pfalz erwärmen sollte: Ein gelockter Jüngling sitzt als Jesus beim Abendmahl, umringt von einer Schar adretter junger Damen. Einziges Kleidungsstück der Jüngerinnen: die Edeljeans des Meisters Kern, ansonsten oben ohne.

Prompt trat – wie schon im Falle Benetton – der Deutsche Werberat, die Selbstkontrollinstanz der deutschen Werbewirtschaft, auf den Plan. Da sich Mitbürger "in ihren religiösen Gefühlen verletzt" fühlten, wie Werberatssprecher Volker Nickel erläutert, hätten die Werbewächter den Modemacher aus Kaiserslautern offiziell rügen müssen. Als der von seinem ketzerischen Tun nicht lassen wollte, schaltete der Rat die Zentrale zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs ein, um das Motiv gerichtlich verbieten zu lassen.

Modemacher Kern, der vorgibt, mit seiner Werbung zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beitragen zu wollen, kann zwar die Aufregung nicht verstehen. Dennoch wird er das Abendmahl-Motiv künftig nicht mehr einsetzen. Allerdings sind weitere biblische Motive geplant. Maria und Josef an der Krippe werden – in Kern-Jeans selbstverständlich – die Wohnungsnot anprangern.

Im Unterschied zu Luciano Benetton hat Kern allerdings seinem werblichen Sozialengagement auch Taten folgen lassen: So fließen etwa 100 000 Mark Honorar für ein Versöhnungsphotomotiv mit der jungen Palästinenserin Muna Franghi, der Tochter des deutschen PLO-Repräsentanten, und der Jüdin Jennifer Rush einer Friedensaktion im Gaza-Streifen zu.

Daß "Aufsehen, egal wie", nicht unbedingt für bessere Geschäfte sorge, warnt Werbeexperte Nickel, hätten schon die Schock-Werber aus Italien lernen müssen. Benetton habe nicht umsonst seine Preise gesenkt.

Keinen Draht finden Franzosen und Briten zueinander, wenn es um die Telekommunikation im vereinten Europa geht. Das zeigte einmal mehr der Schlagabtausch auf dem internationalen Kongreß der Financial Times vergangene Woche in London. Iain Vallance, der Chef des bereits 1984 privatisierten Telephonkonzerns BT, machte keinen Hehl aus seinem Unmut über die gerade verkündete Kooperation zwischen der deutschen und der französischen Fernmeldegesellschaft. Und nicht nur das.

Der Brite ist auch stark verärgert darüber, daß in Europa erst 1998 die nationalen Monopole im Telephongeschäft fallen. Zu gerne würde er schon heute ins Geschäft mit den Großkunden aus der Industrie auf dem Kontinent einsteigen. Genau dagegen aber wollen sich Deutsche und Franzosen mit ihrer Abmachung wappnen.