Sechs Uhr. Da sollte ich aufstehen. Dann würde ich alles viel besser hinkriegen. Aber die Nächte sind oft gestört. Also stehe ich um viertel vor sieben auf, und dann wird es sehr turbulent. Die Kleinen sind wach, die Großen müssen geweckt werden. Fünf Flaschen warm machen, alle wollen Milch. Zwei sind imstande, sich selbst anzuziehen, allerdings mit Kontrolle; kein Sommerrock bei zehn Grad Kälte. Halb acht: Frühstück. Es gibt Müsli, alle sitzen am Tisch, mein Mann hat Kaffee gemacht, nachdem er im Bad das Zähneputzen kontrolliert hat. Die Milch kippt um, einer nimmt sich zuviel, kann nicht aufessen, schon kommt es zur ersten Grundsatzdebatte. Mein Mann fährt ins Büro, Luise wird zur Schule abgeholt, die beiden nächsten müssen um halb neun im Kindergarten sein. Ich stehe in der Tür, mit Jacken, Stiefeln, Mützen... Ja, und dann tritt die erste Entspannung ein, nur die beiden Kleinen sind da. Noch einen Kaffee, und dabei muß ich gleich an mein Tagwerk denken. Was ich am Vormittag nicht schaffe – am Nachmittag, wenn alle da sind, ist es völlig ausgeschlossen. Jetzt, vor Weihnachten, muß ich sofort in die Stadt, während zu Hause Martina, das Aupair-Mädchen, aufräumt.

Halb zwölf: Zweimal in der Woche muß ich die Kinder vom Kindergarten abholen, wir haben eine Fahrgemeinschaft organisiert. Dann das Essen in den Topf. Jetzt gibt es häufig Nudeln, richtig kochen kostet noch mehr Zeit. 13 Uhr: Mittagessen. Wichtig, daß alles ganz gründlich vorbereitet ist, damit nichts schiefgeht – Portionen verteilen, Saft eingießen, keinen Anlaß zur Reibung bieten! Trotzdem gibt es immer einen, der seinen Wutanfall kriegt, weil er seine Lieblingssauce vermißt; ich wünsche mir, daß alle sich einfach hinsetzten und erzählten, was sie erlebt haben, aber so ist es selten. Die Kleinen schlafen manchmal am Tisch ein, weil sie so erledigt sind. Hände und Gesicht waschen, ab ins Bett, ein Bilderbuch. Dann ist hier "stille Stunde". Ich lege mich hin, die Tür bleibt zu. Kein Telephon, keine Cowboyspiele!

Nachmittags hat Martina frei. Während die Kleinen noch schlafen, mache ich mit Luise Hausaufgaben. Ja, und dann geht es rund. Andere Kinder besuchen uns, weil es lustig ist, und die Mütter denken, da sind so viele, das macht keinen Unterschied. Macht es aber doch. In der Adventszeit geht alles noch hektischer zu: Luise muß zum Flöten, der andere zum Malen, Weihnachtsfeier oder Krippenspiel im Kindergarten, Extra-Veranstaltungen in der Schule. Wenn ich ein Kind wegbringe, müssen alle mit; Jacken, Mützen, Stiefel, alles mal fünf. Flitze ich zwischendurch weg, während die Kleinen noch schlafen, wachen sie garantiert auf, und wenn ich heimkomme, ist der Adventskalender leergegessen... Mit den drei Großen bin ich ins Weihnachtsmärchen gegangen.

Viele Kinder werden erschlagen von dem Überangebot der Großen. Für die Mutter ist es schwer, wieder ins Lot zu bringen, was auf die Kinder in diesen Wochen einstürmt. Die Eindrücke müssen verkraftet werden. Ich merke deutlich, daß die Kinder unter Spannung stehen: What’s next? Und dann komme ich auch noch und wünsche mir, daß wir abends am Adventskranz sitzen und singen. Zweimal ist es ganz schön, und zweimal geht es total schief. Jetzt heißt es auch aufpassen mit der Kokelei; neulich roch ich es schon: Benedetta hatte oben ihr erstes Streichholz angezündet. Im vergangenen Jahr war es Nikolaus.

Halb sechs. Ich schmiere einen Stapel Brote, mitunter bleiben Kinder noch zum Essen; ein Doppelpfünder geht weg. Um sechs essen wir, und ich muß aufpassen, daß es nicht zehn nach sechs wird, denn sonst kippt die Stimmung, weil alle zu müde sind. Es ist schwer, dann Ruhe zu bewahren und nicht zu kreischen. Besser, wenn die Kinder das Gefühl haben, daß Zeit ist. Die zwei Großen baden zusammen und dann die drei Kleinen. Schlafanzüge an, Zähne putzen, alle in die Betten, und ich gehe von einem zum anderen und lese vor.

Halb neun. Mein Mann kommt, und wir essen zusammen. Ein Glas Wein, das entspannt. Zu Weihnachten sollen die Kinder zusammen ein Puppenhaus bekommen. Das muß zusammengebaut, angemalt und eingerichtet werden, unsere Abendbeschäftigung. Wir haben Freunde, die keine Kinder haben. Sie kommen immer am 23. abends, und dann machen wir in einer langen Nacht zusammen fertig, was wir nicht geschafft haben. Es gibt viele, die uns helfen. Eine Tante bringt am 4. Advent zehn große Dosen Gebäck. Ich habe gelernt, daß ich nicht alles machen muß. Lieber auf das Wesentliche konzentrieren.

Gegen 23 Uhr gehen wir ins Bett. Und nachts? Einer hat Durst, eine träumt schlecht, einer wird krank. Sie kommen auch zu uns ins Bett; die ersten können sich noch neben uns legen, wer zuletzt kommt, muß sich unten am Fußende einfädeln.

Aufgezeichnet von Anna v. Münchhausen