Von Rainer Schauer

Zwoa Brettln, a g’ßhriger Schnee, juchhe, dös is halt mei höchste Idee"

Für über sieben Millionen westdeutsche Alpinskifahrer hat diese Schlagerzeile aus der Mottenkiste der fünfziger Jahre bis heute ihre Faszination behalten. Vor allem der überdurchschnittlich gut verdienende Mittelstand zwängt sich jedes Jahr zuverlässig ins modische Outfit, packt die zwei Brettln aufs Autodach und bricht in Richtung Süden auf – vorzugsweise nach Österreich (zwei Drittel). Dort wird die teutonische Invasion, vor allem wegen ihrer harten Mark, sehnlichst erwartet. Allein für Übernachtung und Verpflegung geben die Deutschen weit über hundert Mark an jedem Tag aus; durchschnittliche Aufenthaltsdauer: etwa neun Tage.

Solch detaillierte Erkenntnisse zum Markt- und Konsumverhalten des westdeutschen Alpinskifahrers (der ostdeutsche Markt ist noch zu unbedeutend) verrät die von einem Ski-Fachmagazin in Auftrag gegebene Studie "Skifahren 2000", die das Institut für Demoskopie Allensbach vor kurzem veröffentlicht hat.

Die darin unausgesprochene Feststellung, daß der deutsche Skifahrer ein milliardenschweres wirtschaftliches Potential für Ski- und Anorakproduzenten, für Hoteliers und Seilbahngesellschaften repräsentiert, ist nicht neu. Neu und überraschend ist allerdings, daß sich die Skifahrer in Westdeutschland als "überdurchschnittlich öko-orientiert" sehen. Denn nach der Studie halten rund fünfzig Prozent der befragten Skifahrer "Opferbereitschaft für den Umweltschutz für besonders wichtig"; ein Drittel zählt sich zum Kreis der Natur- und Umweltschützer; fünfzehn Prozent empfinden die Grünen als die sympathischste Partei, und mehr als die Hälfte meint, daß das "Skifahren ein ernstes Problem für die Umwelt darstellt" – die Gesamtbevölkerung gibt sich lange nicht so umweltbewußt.

Doch diese Selbsteinschätzung der Skifahrer spiegelt vermutlich eher einen gesellschaftspolitischen Modetrend wider und ein schlechtes Gewissen. Denn Denken und Handeln klaffen im Wintertourismus bei allen Beteiligten noch immer weit auseinander.

So erzwangen beispielsweise die Skifahrer den Einsatz von Schneekanonen, weil die Wedler eben jene Orte bevorzugen, die auch Schneesicherheit garantieren. Notwendige Konsequenz aus Konkurrenzgründen: Kein größerer Skiort kann es sich heute leisten, ohne die energiefressenden Beschneiungsanlagen auszukommen. Serfaus in Tirol etwa – immer hektisch im Dienste des Qualitätstouristen – mußte extra neue Wasserquellen und Staubecken für das sündhaft teure Gerät erschließen, das nun als wirtschaftlicher Rettungsanker in schneearmen Wintern gefeiert wird. Will man Schneekanonen auch nur einigermaßen umweltverträglich betreiben, dann dürfen sie wegen der möglichen Grundwasserverschmutzung nur Wasser der Güteklasse I, reines Trinkwasser also, ansaugen und zu Kristallen gefroren wieder ausspeien. Dieser Prozeß verschlingt Hunderttausende von Hektolitern Trinkwasser – eine gigantische Verschwendung im Dienste der Skitouristen, die ohnehin zehnmal mehr vom kostbaren Naß als die Einheimischen verbrauchen.