Von Bartholomäus Grill

Pater Brunner hebt ehrfürchtig den Blick. "Der Herr gebe uns zu essen und genug zu trinken." Neben Hoch würden stehen Gerstengarben. Die Blechmusikanten haben ihre Spitzhüte abgenommen. Es riecht nach Schweinswürstl und Sauerkraut. Starkbieranstich im Chiemgau? Völlig falsch. Denn draußen herrschen 32 Grad subtropische Hitze, und Pater Brunner betet in Englisch, genauer, in reinstem Bavarian English.

Die Szene spielt in einer Brauerei mitten in Südafrika, und es geht um "königlich-bayerisches Bier". Um eine ganz neue Sorte, die südlich des Äquators noch nie jemand getrunken hat. Kaltenberg Royal Lager heißt es, und nach dem German Reinheitsgebot ist es gebraut. Jetzt schreitet der Besitzer des Brauhauses zum Mikrophon: seine Hoheit Prinz Luitpold von Bayern aus dem Geschlecht der Wittelsbacher. Durchlaucht erklärt, daß Bier ein recht demokratisches Getränk sei, das in Deutschland bevorzugt am Stammtisch (eine besonders demokratische Institution) getrunken werde und also gut in dieses Land passe. Südafrika sei "ein aufregender Markt", da wolle man rein. (Ozapft is!)

Das Problem ist nur: Hier gibt es einen Bierriesen namens South African Breweries (SAB), der fast das ganze Land tränkt. SAB kontrolliert 98 Prozent des Marktes und hat bisher noch jeden Konkurrenten ausgeschaltet. Wagt es nun wieder ein David, gegen den Goliath anzutreten? "Keineswegs", betont Prinz "Poldi", "wir brauen gutes und reines Bier!" Dennoch besteht kein Zweifel: Die SAB-Leute nehmen den Anstich der Bayern als Kampfansage wahr. Endlich einmal ein höchst erfreulicher Wettstreit im gewaltgeplagten Südafrika, das zwar mit viel Gerstensaft gesegnet ist, aber mit wenig wirklich gutem. Endlich Bierkrieg statt Bürgerkrieg, sozusagen.

Natürlich wird der freche Zwerg mit keinem Wort erwähnt, aber der Riese redet so militärisch daher, daß Verwechslungen ausgeschlossen sind. "Man nimmt kein Messer mit, wenn mit Gewehren gekämpft wird", sagt Meyer Kahn, der Geschäftsführer von South African Breweries. Der SAB-Konzern hat den Bierausstoß von sieben Millionen Hektoliter (1979) auf dreißig Millionen Hektoliter (1993) gesteigert. Und steht auf der Weltrangliste der Brauereien bereits auf Platz sechs. SAB kontrolliert ein gewaltiges Getränkereich, dazu die Supermarktkette OK, die Hotelgruppe Southern Sun (11 000 Zimmer) und ist auch im Textilsektor aktiv. Allein die Biersparte trägt dem Fiskus viermal soviel Steuern ein wie die Goldbergwerke des Landes; fünf Prozent der gesamten Staatseinnahmen kamen im Jahre 1991 von SAB.

Seit dem Ende der Wirtschaftssanktionen schwärmen die Unterhändler des Konzerns in alle Welt aus. Soeben hat die "Beer Division" für 150 Millionen Mark 80 Prozent der größten ungarischen Brauerei, Kobanyai Sorgyor, aufgekauft. Von Frau Schickedanz aus Fürth (Quelle) wurde ein Sudhaus auf den Kanarischen Inseln erworben. Schwarzafrika nebenan lockt: In die Tanzanian Breweries stieg man unlängst mit knapp fünfzig Millionen Mark ein, nach Namibia und Sambia wurden Fühler ausgestreckt. Divisionschef Graham Mackay: "Wir zielen auf getränkeorientierte Lücken in Massenkonsumentenmärkten mit den Charakteristika von Entwicklungsländern."

In der Auseinandersetzung kann der bayerische Prinz seine Erfahrungen in der Dauerfehde mit den Münchner Großbrauereien gut brauchen. Kämpft der aufstrebende Mittelständler doch seit Jahren darum, mit seinem "König Ludwig Dunkel" auf dem Oktoberfest Einzug halten zu dürfen. Der Wittelsbacher zieht in Südafrika mit starken Verbündeten in die Schlacht. Heute sind sie unter dem Segen von Pater Brunner allesamt aufmarschiert. Da ist einmal das Konsortium Bavaria Bräu, bestehend aus burischen Managern, bayerischen Braumeistern sowie ein paar Dissidenten aus dem SAB-Lager. Dann sind da die National Sorghum Breweries (NSB). Sie stellen Hirsebier her, das überwiegend in den Townships getrunken wird. NSB ist pikanterweise auch noch das größte südafrikanische Unternehmen, das sich in der Hand von Schwarzen befindet. Die Manager kennen folglich den "schwarzen Markt" ziemlich gut und wollen dem SAB-Giganten dreißig Prozent des Biermarktes abjagen. Mit von der Partie sind einige Herren von der KwaZulu Finance Corporation, die ihrerseits über die Märkte in den sogenannten Homelands, in den Reservaten der Schwarzen, Bescheid wissen. Am Nebentisch kämpfen einige Banker aus Taiwan gerade mit ihren Weißwürsten. Die wollen mit Kapital aus Fernost einsteigen, geht das Gerücht. Da braut sich also einiges zusammen.