Österreich ist, wie viele wissen, ein schönes Land, doch wer weiß, ob das nicht alles Fassade ist. Dahinter findet offenkundig brutale, nahezu beispiellose politische Verfolgung statt.

Das Objekt der konzertierten Unterdrückung durch Parteien, Kirche, Medien und Justiz setzt sich nun endlich zur Wehr Jörg Haider, Partei- und Fraktionschef der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ).

Es ist ein wahres Glück zu nennen, daß es den Ullstein Verlag mit seinem Förderprogramm für alle am Zeitgeist leidenden Umdenker und Umschreiber gibt. Er nämlich bot Haider die Möglichkeit, seinen Kampf auf 315 Taschenbuchseiten (einschließlich Fußnoten) auszubreiten: "Die Freiheit, die ich meine", Haiders "Plädoyer für die Dritte Republik".

In diesem "III. Österreich" wird alles anders. Haider und seine "Bürgerrechtsbewegung", womit er die zunehmend reaktionäre und in Teilen rechtsradikale FPÖ meint, die in diesem Jahr einem Ausschluß aus der Liberalen Internationale nur durch freiwilligen Austritt entging, wollen den Staat vom Joch der Parteienherrschaft befreien. Durch Kampf, versteht sich. "Ohne werteverteidigenden Kulturkampf ist eine Überwindung des linken Kulturfaschismus nicht möglich. Bürgerliche Feigheit und Borniertheit haben diesen Kampf bisher sabotiert." An den Kragen ginge es demnach als erstes dem "linken Kulturtotalitarismus", der das "sogenannte Geistesleben" beherrscht. Nicht Serben, Türken oder Schwarzafrikaner wären also vermutlich die ersten Ausländer, die das Land verlassen müßten, sondern der deutsche Burgtheater-Direktor Claus Peymann, der es sich mit Haider und dem Loden-Österreich gründlich verdorben hat.

Weil er "als Herausforderer des Systems den schändlichen Geist der Verhetzung und Anpassung" bekämpfe, klagt Haider, behandle ihn die etablierte Gesellschaft quasi wie einen Aussätzigen. Unglaublich, wie die Lehrer aus der 68er-Generation sein Volksbegehren gegen die Ausländer ("Österreich zuerst") diffamiert hätten (recht hat Haider mit der Feststellung, daß die Regierung, die das "Lichtermeer" gegen Ausländerfeindlichkeit aktiv unterstützte, viel von seinen Forderungen ins Gesetz übernahm). Haiders Jammer "Mein Verbrechen besteht offenbar darin, daß ich nicht bereit bin, Mitglied einer autoritären Beifallsgesellschaft zu werden, die jedem noch so großen Schwachsinn applaudiert."

Daß er mit seinen zahllosen Beleidigungsklagen gegen Journalisten nur selten durchdringt, dient ihm als Beweis für die Verschwörung gegen ihn und seine "Erneuerungsbewegung" (wieder handelt es sich um die FPÖ). "In diesem verfilzten System von Abhängigkeiten, Vetternwirtschaft und politischer Intrige ist es schwer, Ordnung zu schaffen. Viele, die heute noch mitspielen, warten aber darauf." Auf Haiders Erneuerung, Ordnung und Freiheit. Schöne Freiheit, was sich da ankündigt.

Eine gereizte und giftige Mischung aus Wehleidigkeit und Aggressivität prägt Haiders Buch. Er benennt zwar reale Defekte und Skandale, zum Beispiel den politischen Nepotismus im staatlichen Rundfunk und Fernsehen, macht daraus aber eine private Angelegenheit: Er ganz persönlich ist das Opfer dieser Mißstände. Das mag erklären, daß sich sein Text streckenweise wie ein haßerfülltes rechtes Pamphlet liest; eher radikale Flugblattprosa als politischer Buchtext. Der gekränkte Narziß wird sichtbar, der die Kränkung im demagogischen Kampf, zum Beispiel gegen die "Clique der Politabsahner", zu verwinden sucht.