Ehe das Jahr endgültig dem "Superwahljahr" weicht, noch einmal ein paar Gedenkminuten an das annus mirabilis, 1968. Diesmal geht es, zur politischen Abrundung des ominösen Erinnerungsjahrs, um die "anderen 68er". Wer ist denn das nun wieder?

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Es sind dies die christdemokratischen Zeitgeistgenossen Rudi Dutschkes. Auch sie protestierten seinerzeit gegen den "Muff von tausend Jahren" (wenngleich in milderen Worten), vor allem aber agitierten sie vehement gegen die Apo und den SDS. Dazu gehörte auf deutschen Unis damals mehr Courage, als auf einem Parteitag der Kiesinger-CDU eine Reform der Partei zu fordern. Im Hörsaal wurde man mindestens ausgepfiffen, in der C-Partei aber bekam man mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Einladung zum Gespräch mit dem Mainzer Ministerpräsidenten. Der hieß Kohl und suchte Talente, die ihm auf dem Weg ins Kanzleramt behilflich sein könnten. Dem Aufsteiger 68 kamen dafür die kampferprobten Berliner Raufbolde vom Schlage eines Peter Radunski oder Wulf Schönbohm gerade recht. Dem Rest der Partei war diese Nachwuchstruppe allerdings nicht ganz geheuer. Lauter "Linke".

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Vor 25 Jahren gründeten diese rechten Linken eine Zeitschrift: Sonde: Neue Christlich-Demokratische Politik. Mitgründer Schönbohm: "Das war Programm." In Bonn kam der Sonde-Kreis aus diesem Grund am Dienstag abend zur 25-Jahr-Feier zusammen. Hauptreferent über den Sorgenfall CDU: Manfred Rommel aus Stuttgart.

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In Heft 1 übrigens las man da vor 25 Jahren über die neue Politik: "Es ist dies nicht nur eine Frage neuer Konzepte und Persönlichkeiten, sondern vor allem auch eine Frage des politischen Problembewußtseins, der geistigen Offenheit und Beweglichkeit, des politischen Stils einer Partei. Hausbackene Selbstzufriedenheit, Honoratiorendenken und sachpolitische Kurzsichtigkeit müssen für die CDU Nebenerscheinungen werden, wenn sie zu einer politischen Partei werden will, die auch in der Zukunft überzeugt."