Engländer sind wie Königspinguine: aufrecht, elegant und manchmal etwas unbeholfen. Dank ihres unerschütterlichen Selbstbewußtseins bewahren sie jedoch auch in touristischen Extremsituationen Haltung, beispielsweise beim Aufklappen eines feindlich gesinnten Liegestuhls.

Michael Palin ist Engländer. Das ehemalige Monty-Python-Mitglied unternahm 1991 für die BBC eine Reise von Pol zu Pol, die jetzt auch in Buchform nachvollzogen werden kann. Michael Palin: Von Pol zu Pol (Aus dem Englischen von Ingrid Heinrich-Jost; Haffmans Verlag, Zürich 1993; 320 S., 48,– DM). Grundlage des Werks sind Palins Tagebücher, und die sind nicht nur recht persönlich, sondern – wie zu erwarten – auch sehr englisch. So stellt er am Nordpol fest: "Irgendwo, weit weg, machen Leute Vernünftiges, sie schauen ein Cricketmatch an, graben den Garten um ... oder besuchen die Schwiegermutter."

Das Buch will kein Reiseführer sein, es schildert vielmehr den Kampf des Menschen Palin gegen die Natur, die Bürokratie und nicht zuletzt den eigenen Körper. Es sind Geschichten von kalten Füßen und Schweißausbrüchen, Stromschnellen und Sandstürmen, unberechenbaren Fahrplänen, verschwundenen Gepäckstücken, endlosen Magenverstimmungen – und von Menschen, die nicht immer so reagieren, wie Palin es erwartet. Und gerade deshalb erfüllen sie die gängigen Klischees. So schenkt er zum Beispiel kenianischen Schülern einen aufblasbaren Globus: "Das finden alle wunderbar und fangen sofort an, mit ihm Fußball zu spielen."

Das Buch ist ausgesprochen unterhaltsam und reich illustriert. Da Palin jedoch dazu neigt, das Gesehene mit englischen Gegebenheiten zu vergleichen, können entsprechende Kenntnisse oder eine Encyclopaedia Britannica durchaus von Nutzen sein. Die deutsche Fassung ist zudem derart schlecht redigiert, daß einige Kapitel mitten im Satz abbrechen. Dadurch bekommt das Buch stellenweise einen geradezu kryptischen Charakter, so daß es dem Wochenendrätsel der Times durchaus ebenbürtig ist. Gerald Beeckmann