Nun wächst sie wieder, die deutsche Wirtschaft – wenn auch nur ein bißchen. Den Statistikern sei Dank für diese gute Nachricht. Den Lichtblick in diesen trüben Tagen haben wir freilich aus eigener Tasche bezahlt. Denn der Auslöser für das zaghafte Plus im zweiten und dritten Quartal dieses Jahres waren – neben dem Wohnungsbau – die privaten Konsumausgaben, die schneller gestiegen sind als die Einkommen. Statt vierzehn Prozent ihres Einkommens zu sparen, wie vor einem Jahr, legten die Deutschen zuletzt nur noch 12,5 Pfennig von jeder verdienten Mark auf die hohe Kante. Aus dem Unterschied wurde das Wachstum finanziert.

Im richtigen Leben dürfte das ganz anders ausgesehen haben: Diejenigen, die noch in Lohn und Brot stehen, werden wohl gespart haben wie eh und je, und die wachsende Zahl der Arbeitslosen dürfte teilweise vom Ersparten gelebt haben, weil Arbeitslosengeld oder Arbeitslosenhilfe hinten und vorn nicht reichen. Wenn die Ausgaben der Privathaushalte insgesamt trotzdem noch für Wirtschaftswachstum sorgen konnten, ist dies der beste Beweis für den Segen, den ein funktionierender Sozialstaat darstellt. Dessen Kosten zu beklagen ist derzeit landauf, landab in Mode. Doch ohne die solidarische Unterstützung durch die Arbeitenden hätten die Arbeitslosen nicht genug Geld zur Verfügung gehabt, um den Aufschwung mitzufinanzieren. Dann wären wir wohl noch tiefer in die Rezession gerutscht. Auch für die erhellende Erkenntnis, daß der Sozialstaat nicht nur kostet, sondern auch den konjunkturellen Absturz verhindern kann, sei den Statistikern Dank.