Wo bleiben die Geschenke? Wo die erlesenen Weine von der Großbank, wo der Marzipanstollen von der Pharmafabrik? Bald ist Heiligabend! Früher türmten sich um diese Zeit die ebenso edlen wie überflüssigen Gaben von Geschäftsfreunden und solchen, die es gerne sein wollen: versilberte Feuerzeuge, verspielte Bürowecker, kalorienschwere Freßpakete und hochgeistige Getränke. Doch diesmal trudeln bloß Kartengrüße ein. Und selbst die werden immer weniger. Der arg gebeutelte Volkswagen-Konzern verschickt sie zum Beispiel nur noch in begründeten Ausnahmefällen.

Vorweihnachtliche Gefühle am Arbeitsplatz wollen da beim besten Willen nicht aufkommen. Ein paar versprengte Firmen versuchen zwar, mit Pralinen oder Kalendern überkommene Traditionen zu retten. Aber die meisten pfeifen auf die Bescherung: Kein Wein, kein Kuchen und kein Nippwerk, weder für die Mitarbeiter noch für die Kunden.

O Krise, o Krise, das muß der Anfang vom Ende sein. Dahinter steckt ganz sicher eine gemeine Strategie der Unternehmer: Wer nichts mehr schenkt, der braucht bald keine Weihnachten mehr. Kein Weihnachtsgeld und keine Weihnachtsfeiertage. Freuen kann sich über den drohenden Untergang des Festes aber auch noch ein anderer: Norbert Blüm. Der Bundessozialminister hätte dann endlich die zwei überflüssigen Feiertage, die er zur Finanzierung der Pflegeversicherung schon so lange sucht. per