Unheimlich wird einem diese Insel, schon lange bevor der kleine Fischkutter in die Bucht von Loho Liang einläuft. Spiegelglatt war die See noch eben, stahlblau der Himmel und die tropische Luft von schweißtreibender Schwüle. Delphine begleiteten unser Boot, und weiter draußen glaubte ich die Schwanzflosse eines Wales zu erkennen.

Kaum aber sind die 800 Meter hohen Berge Komodos zu erkennen, tanzt und taumelt das Boot plötzlich wie ein Korken über Strudel, Strömungen und Wellen, ohne daß Wind aufgekommen ist. Der Kapitän beruhigt die nervös gewordenen Passagiere. Er fahre hier schon seit 25 Jahren und kenne die Tücken. Nur die Matrosen werden auf der vierstündigen Überfahrt nicht müde, Schauermärchen von riesigen Seeschlangen und giftigen Steinfischen zu erzählen.

Wer diese Seefahrt durch die indonesische Inselwelt westlich von Flores mitmacht, hat ganz andere Tiere im Sinn. Nur auf Komodo und zwei benachbarten Inseln leben die berühmten, sagenumwobenen Komodowarane. Holländische Kolonialisten, die diese Tiere 1912 entdeckten, beschrieben sie als furchterregende, zehn Meter lange Fabelwesen, die sogar zu einem aufrechten Gang imstande seien.

Im weltweiten Artenschutzabkommen werden die Komodowarane heute in der höchsten Kategorie geführt. Daß sie in den Jahren nach ihrer Entdeckung nicht ausgerottet wurden, verdanken sie dem Umstand, daß ihre abgezogene Haut in viele kleine Hornplättchen zerfällt. Außerdem schmeckt ihr Fleisch den Menschen nicht. Was jedoch umgekehrt durchaus der Fall zu sein scheint.

Mehrfach wurden Menschen von Waranen angefallen, verletzt oder gar mit Haut und Haar gefressen. Von einem Schweizer, der 1986 nach Komodo reiste, fand man später nur noch die goldene Armbanduhr. Vermutlich werden auch viele der kleineren Waranweibchen von den Männchen beim Paarungsakt getötet. Tierforscher wollen herausgefunden haben, daß auf Komodo, Rinca und Westflores auf zwei Weibchen fünf Männchen kommen.

Man muß nicht unbedingt die weite Reise nach Indonesien antreten, um diese Tiere zu sehen. Im Aquarium des Berliner Zoos lebt das einzige Pärchen in Europa. Eigentlich gehören die beiden Tiere Bundeskanzler Helmut Kohl, der die Komodowarane als Staatsgeschenk des indonesischen Ministerpräsidenten Suharto erhielt. Offiziell ist dies der einzige Weg, auf dem die Warane heute noch ins Ausland gelangen dürfen. Der Handel mit ihnen ist streng verboten.

Mit dem Kanu werden wir auf Komodo am Strand abgesetzt. Dort hat die Regierung ein Camp der nationalen Naturschutzbehörde errichtet mit Quartieren, Restaurant und Informationsbüro. Um die Tiere, die in der Landessprache Ora heißen, nicht zu sehr zu stören, finden Führungen und Fütterungen nur noch zweimal wöchentlich statt. Seit dem Verschwinden eines Adligen 1974, um das sich nun auch schon Legenden ranken, dürfen Touristen Komodo nicht mehr auf eigene Faust durchstreifen. Geduldig warten wir, bis uns mit langen, gegabelten Stäben bewaffnete Ranger zum zwei Kilometer entfernten Fütterungsplatz führen.