Antrag des Senats auf Verleihung des Ehrenbürgerrechts an Herrn Dr.h.c. Rudolf Augstein

Der Senat hat beschlossen, Herrn Dr.h.c. Rudolf Augstein für seine hervorragenden Verdienste um unser Land und unsere Stadt das Ehrenbürgerrecht der Freien und Hansestadt Hamburg zu verleihen. Rudolf Augstein gehört einer Generation an, die sich nach nationalsozialistischer Gewaltherrschaft und Zusammenbruch dem demokratischen Wiederaufbau unseres Landes mit Engagement und Energie gestellt hat. Als Publizist und Unternehmer hat Rudolf Augstein die Mediengeschichte der Bundesrepublik Deutschland in streitbarer, kritischer Gesinnung in mehr als 40 Jahren seines journalistischen Schaffens wesentlich geprägt. Nicht zuletzt dem Spiegel verdankt Hamburg seinen Ruf als bedeutende Medienmetropole. Als distanzierter, skeptischer Kommentator, ehrfurchtslos, aber nicht ohne Achtung, als Journalist und Herausgeber des Nachrichtenmagazins Der Spiegel hat Rudolf Augstein die demokratische Kultur und das geistige Klima in unserem Lande nachhaltig mitbestimmt und gefördert. Er hat sich um die Bundesrepublik Deutschland und unsere Stadt verdient gemacht. Der Senat beantragt daher, die Bürgerschaft wolle ihre Zustimmung dazu geben, daß Herrn Dr.h.c. Rudolf Augstein das Ehrenbürgerrecht der Freien und Hansestadt Hamburg verliehen wird.

Sehr geehrter Herr von Beust, wie ich gehört habe, will die CDU-Bürgerschaftsfraktion gegen den Beschluß des Senats stimmen, Rudolf Augstein die Ehrenbürgerrechte der Freien und Hansestadt Hamburg zu verleihen. Ich kann mir eine solche Torheit kaum vorstellen, wäre aber für Aufklärung dankbar. Mit freundlichen Großen

Bucerius

Sehr geehrter Herr Bucerius, für Ihre Zeilen vom 25. November dieses Jahres danke ich Ihnen. Richtig ist, daß die CDU-Bürgerschaftsfraktion einer Verleihung der Ehrenbürgerrechte der Freien und Hansestadt Hamburg an Herrn Rudolf Augstein nicht zustimmen wird; dies hat sie nach interner Beratung einstimmig beschlossen. Die Gründe liegen jedoch nicht – wie man vielleicht vermuten könnte – in dem politischen Wirken von Herrn Augstein. Ich denke, daß die Zustimmung der CDU-Fraktion zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Herbert Wehner und Helmut Schmidt Beleg dafür ist, daß es uns nicht um die politischen Auffassungen der zu Ehrenden geht. Sehr wohl sind wir aber der Meinung, daß sich eine Persönlichkeit, die Ehrenbürger Hamburgs werden soll, besondere Verdienste um unsere Stadt erworben haben muß. Diese können wir bei Herrn Augstein nicht erkennen. Allein die Tatsache, daß das Verlagshaus eines Unternehmens in Hamburg steht, kann nicht ausreichend sein für die Verleihung der Ehrenbürgerwürde. Das auf wenige Monate begrenzte politische Engagement von Herrn Augstein ging nicht von Hamburg, sondern von Paderborn aus. Auch besondere gemeinnützige Aktivitäten von Herrn Augstein für Hamburg können wir nicht erkennen. Sollte die Bürgerschaft Herrn Augstein zum Ehrenbürger erwählen, können wir eine solche Entscheidung nur bedauern, da sie den bisherigen Kriterien für eine derartige Ehrung nicht standhielte. Mit freundlichen Grüßen

Ole von Beust