ZEIT: Die Stimmungslage in der Bundesrepublik ist sehr gedrückt. Wer sich die Vielzahl und die gewaltige Dimension der Probleme vor Augen führt, kommt nicht umhin zu fragen: Wie kann die vielgescholtene Politik mit all den Schwierigkeiten fertig werden, und welche Anstöße zur Krisenbewältigung kann sie geben?

Teufel: Sie beschreiben nicht nur die Stimmungslage in der Bunderepublik, sondern in Westeuropa. Das ist kein Trost für uns, aber man muß dies wissen. Wir haben dazu die Sondersituation der Bewältigung der deutschen Teilung, die andere Länder nicht haben.

Wir haben eine diffuse, aber ziemlich tiefsitzende Unzufriedenheit mit den Regierenden. Aber eben nicht nur in unserem Land und auch nicht nur auf Bundesebene, sondern ganz generell. Die Entfernung zwischen dem, was die Politik leisten kann, und dem, was die Bürger erwarten, wird zunehmend größer. Und dann gibt es ein unglaublich starkes geistiges und materielles Besitzstandsdenken. Am aktuellen Beispiel der Finanzierung der Pflegeversicherung ließe sich das leicht zeigen.

ZEIT: Wer von der Krise spricht, kann von der CDU nicht schweigen. Halten Sie es für richtig, daß die CDU ihren Wahlkampf ganz auf den Bundeskanzler zuschneiden will?

Teufel Die CDU hat bisher nicht beschlossen, wie sie den Wahlkampf führen will. Wenn sie nicht mit Helmut Kohl als Spitzenkandidaten antreten und den Wahlkampf auf ihn abstellen würde, dann müßte sie rechtzeitig vorher Konsequenzen ziehen. Ich bin dafür, daß man den Wahlkampf auf Helmut Kohl abstellt. Die CDU besteht aber wahrlich nicht nur aus dem Bundesvorsitzenden und Bundeskanzler, sondern in Bonn und anderswo hat sie qualifizierte Leute. Sie wäre töricht, wenn sie die in dem Wahlkampf nicht auch herausstellen würde. Das war doch immer so.

ZEIT: Falls die CDU mit Kohl als Hauptattraktion in das Wahljahr geht, muß sie dann in jedem Fall das ganze Wahljahr 1994 auch über mögliche Niederlagen bei den Niedersachsen- und Europawahlen hinaus mit ihm durchstehen?

Teufel: Wir gehen mit Helmut Kohl in die Wahlen 1994, und ich werde persönlich alles tun, um ihn zu unterstützen.