Die sprachlich vortreffliche und sensible Nachzeichnung der Lebensschicksale – etwa der immerzu gebärenden Frauen, die von den zeugungskräftigen Männern buchstäblich zu Tode begattet werden – vermag den Leser nicht selten zu rühren.

Dieter Borchmeyer in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" über Klaus Günzels Familienchronik "Die Brentanos"

In der SZ vom 24.11. führten Sie ein Gespräch mit Hilde Schiwek von der Autorenbuchhandlung München. Frau Schiwek meinte, es gebe "... heute auch keine Garantie mehr, daß auch Suhrkamp drin ist, wo Suhrkamp draufsteht". Frau Schiwek kann geholfen werden. Hier die Garantie: In Suhrkamp ist Suhrkamp drin – nichts anderes –, und das soll so bleiben.

Dr. Dr. h.c. Siegfried Unseld vom Suhrkamp Verlag in einem Leserbrief an die "Süddeutsche Zeitung"

Konvertit des Monats

Als der böse Stalin die Welt mit seinen asiatischen Taten in Furcht und Schrecken versetzte, ließ er die Systemfeinde vor einem Tribunal auftreten, wo man Selbstkritik übte und die anderen ordentlich denunzierte. Im freien Westen wird der Schauprozeß an die nächsthöhere Instanz verwiesen, ins demokratische Feuilleton. Die Frankfurter Allgemeine braucht nur mit dem kleinen Finger zu zucken, schon kommen sie angehechelt, die ehemaligen radikalen Linken, um öffentlich zu bereuen. Ein ganzer Barbarenzug ließ sich so in den vergangenen Jahren am goldenen Nasenring Joachim Cäsar Fest vorführen: Ulla Hahn, Peter Maiwald-Schütt-Schneider und zuletzt Arno Widmann. Mühelos jedoch überbietet der jüngste Überläufer dieses jämmerliche Schauspiel der Nachmärz-Gefallenen. Zum zweiten Mal schon hielt Klaus Rainer Röhl in der FAZ Gerichtstag, und zwar keineswegs über sich, sondern über die gesamte Linke seligen Angedenkens.

Kennt eigentlich noch jemand den Herrn Röhl? Den Röhl, der mit Peter Rühmkorf zusammen den Studentenkurier (seit 1957 konkret) gründete, jene einstmals berühmte Zeitschrift, die Arno Schmidt als beste in Deutschland lobte, die sich aber, da dieser Ruhm sich nicht gleich cash auszahlen wollte, von den Brüdern und Schwestern im Osten mit jährlich DM 40 000,- aushalten ließ? Den Röhl, der, sein einziges Verdienst, Ulrike Meinhof als Chefredakteurin und Kolumnistin ins Haus holte? Später hat er sie dann geheiratet.