Von Barbara Hartl

Sofern es nicht die Marsmenschen inzwischen gestohlen haben, steht seit 1970 auf dem Mond das Fahrzeug Luna 21 herum, eine Art fahrender Roboter, den die Russen dort hinaufgeschossen haben. Letzte Woche hat Luna 21 den Besitzer gewechselt: In einer eigenartigen Transaktion hat ein anonymer Käufer bei Sotheby’s in New York den Dauerparker im Meer des Regens für 68 500 Dollar von der Herstellerfirma Lavochkin ersteigert. Der Käufer kann sich, wenn er will, das Ding jederzeit abholen; Sotheby’s schließt schlauerweise jede Lieferverpflichtung "für immer" aus.

In der New Yorker Dependance des berühmten Londoner Auktionshauses kamen am vergangenen Wochenende 227 Objekte der sowjetischen Raumfahrtgeschichte unter den Hammer. Wie andere Leute ihr Familiensilber verscherbelten Kosmonauten, Ingenieure und staatliche russische Raumfahrtfirmen Erinnerungsstücke an ihre glorreiche Vergangenheit, Pretiosen, die noch bis vor kurzem als streng geheim galten.

Gierig stürzten sich die größtenteils amerikanischen Bieter auf alles, was ihre ehemaligen space race-Gegner vom Speicher geholt hatten. Es wurde mit sechs Stunden Dauer die längste Versteigerung in der Geschichte von Sotheby’s – und eine der erfolgreichsten: Das Verkaufsergebnis lag mit sieben Millionen Dollar um zwei Millionen höher als erwartet.

Die meisten Bieter blieben anonym, doch der Investmentbanker Emmer Stephenson aus Denver/Colorado trat nach dem Kauf von neunzehn Objekten mit Frau und Tochter stolz vor die Kameras: Er habe sich einen alten Traum erfüllt und wolle die Weltraumsouvenirs, darunter den Trainingsraumanzug von Juri Gagarin (112500 Dollar), der 1961 als erster Mensch die Erde umkreiste, mindestens für die nächsten hundert Jahre in seiner Familie behalten.

Die teuersten Objekte der Versteigerung, die Raumkapseln Sojus TM-10 (1 652 500 Dollar) und Kosmos 1443 (552000 Dollar), dagegen sollen wieder in ihre Heimat zurückkehren, "sobald Rußland sie zurückkaufen möchte". Das ließ der Käufer, von dem nur bekannt ist, daß es sich um einen US-Bürger handelt, nach der Auktion verlautbaren. Bis dahin will er die Kapseln einem amerikanischen Raumfahrtmuseum leihen.

Dort werden sie lange bleiben, vermutet Peter Batkin, der die Auktion drei Jahre lang vorbereitet hat. Im heutigen Rußland habe man andere Sorgen als die Erhaltung von Raumfahrtmemorabilia, sagt Batkin. Ein Moskauer Raumfahrtmuseum sei gerade in ein Autogeschäft umgewandelt worden. Vieles habe er vor der Zerstörung gerettet, lobt Batkin: So habe der langjährige Chef des sowjetischen Raumfahrtprogramms, Wassilij Mischin, seine Tagebücher nach Vollendung seiner Biographie verbrennen wollen. Jetzt gingen sie in New York für 211 500 Dollar weg. Die zurückhaltende Walentina Gagarina, Ehefrau von Juri Gagarin, hat für den Mann von Sotheby’s bereits bei seiner zweiten Aufwartung das Glückwunschtelegramm Nikita Chruschtschows und die Orden ihres 1968 bei einem Testflug tödlich verunglückten Mannes hervorgekramt. Das Telegramm brachte 68 500 Dollar (Schätzwert 2000 Dollar).