MÜNCHEN. – "In Bayern gehen die Uhren anders!" Willy Brandt hatte seinerzeit diesen Satz kaum zu Ende gebracht, da machten sich Meisi und Helmut Grill in der Wurzerstraße daran, die erste Uhr der Welt, deren Zeiger links herum wandern, in ihrer Galerie zu verkaufen.

Im Laufe der 25 Jahre, die "Etcetera" in diesem Jahr besteht, mußten sich die Galeriebesitzer immer wieder mit dreisten Abguckern herumschlagen. Der Regenschirm, der das "Sauwetter, mistiges" verflucht, ist längst mehrfach kopiert; die Idee, einen "Quadratmeter Freistaat Bayern" als Badetuch anzubieten, haben weltweit Hersteller aufgegriffen, um Frottee-Quadratmeter von Tokio oder New York zu produzieren.

"Etcetera" ist zudem ein Forum für Künstler der Satire. Paul Flora, Friedrich Karl Waechter, Peter Gaymann und Tomi Ungerer gehören zum Ausstellungsrepertoire der Münchner Galerie. Janosch, Fernando Puigi Rosado, Michael Sowa und Wilhelm Schlote haben sogar eigens für "Etcetera" Geschirr kreiert.

Die Grills nachzuahmen ist bisher noch keinem so recht gelungen. Und das liegt nicht nur an ihrer Auswahl. Sie verzichten auch auf die schnelle Mark, weil sie das Risiko eingehen, die Kuriositäten nicht gleich loszuwerden. "Doch kaum vergehen zehn Jahre, schon sind sie weg", heißt ihre Devise. Die Bayern können Spaß vertragen.

Ärger gab es dagegen einmal mit einem britischen König-Ludwig-Fan-Club. Richtig böse sind die Mitglieder über die bei "Etcetera" erschienene "Bayerische Götterdämmerung" von Herbert Rosendorfer und Jean-Marie Bottequin geworden. Das Werk schildert den Besuch antiker Götter bei Ludwig II. auf Neuschwanstein, bei dem der Märchenkönig die nackten und mit Rosengeflechten gefesselten Göttinnen Aphrodite und Juno mit Pralinés bewirft. Die Angelsachsen waren drauf und dran, die Grills wegen Majestätsbeleidigung vor Gericht zu bringen. Claudia Becker