Der weltweit gefeierte Beweis des Fermatschen Theorems ist ins Wackeln geraten. Sein Entdecker, der Mathematiker Andrew Wiles, muß sich offenbar noch einmal auf den Hosenboden setzen, um seine Überlegungen nachzuprüfen. Noch im Juni hatte der erst vierzigjährige Wiles für eine Sensation gesorgt, als er erklärte, Fermats letztes Theorem, an dem sich die Fachwelt 356 Jahre lang die Zähne ausgebissen hatte, endlich bewiesen zu haben. Die dabei benutzten mathematischen Beziehungen waren allerdings höchst komplizierter und abstrakter Natur gewesen. (DIE ZEIT Nr. 27/93)

Inzwischen hat Wiles sein 200 Seiten starkes Manuskript beim Fachblatt Inventiones Mathematicae eingereicht, das an der Harvard-Universität herausgegeben wird. Nach guter wissenschaftlicher Tradition beugten sich dann sechs Gutachter über Wiles’ Werk, um nach eventuellen Ungereimtheiten Ausschau zu halten. Die dabei auftauchenden Nachfragen der Gutachter konnte Wiles auch in allen Fällen zufriedenstellend beantworten – außer in einem Punkt. Sein Versuch, die obere Grenze eines mathematischen Objektes namens Selmer-Gruppe im semistabilen Fall zu berechnen, hatte die Gutachter nicht überzeugt.

Der Princeton-Professor Wiles zeigt sich allerdings optimistisch: Er denke, so ließ er jüngst in einer Pressemeldung verlauten, daß er diese Lücke "in der nahen Zukunft" ausräumen werde, bei