Unsere Chefdiplomaten haben einen Zufluchtsort entdeckt, den selbst Könige allenfalls im Handtuch aufsuchen: die Sauna. Als Helmut Kohl vor wenigen Wochen Rußlands Präsidenten in Moskau traf, zogen die Herren sich, sehr zum Leidwesen der Protokollführer, ins Schwitzbad zurück; jetzt haben Klaus Kinkel und Jelzins Außenminister es ihnen nachgemacht. Eine neue k. u. k. Diplomatie ist im Werden.

Wie ließe sich auch besser Vertrauen schaffen als durch hüllenlose Offenheit? Wie aufrichtiger von gleich zu gleich reden als so, wie die Natur beide schuf? Und wo sonst können Politiker auf der Waage ablesen, ob ihre Gespräche sich gelohnt haben? Schon ein altes finnisches Sprichwort weiß: "Ohne Schweiß kein Preis." Statt die Probleme auszusitzen, können die Herren sie nunmehr ausschwitzen.

Der Siegeszug der Sauna-Diplomatie scheint deshalb unaufhaltsam. Aber Vorsicht: Was als Zufluchtsstätte gedacht war, könnte am Ende zur Gefängniszelle werden: Wenn Kohl & Co. nämlich einmal nicht mit ihren russischen Gegenüber ins Dampfbad zögen, gälte das jetzt als ein untrügliches Krisensignal. Leicht werden sie aus dem Schwitzen nicht mehr herauskommen. -cb-