Namen will ich lieber nicht nennen, selbst wenn schon ein wenig Gras über die Sache gewachsen ist. Auch die Bezeichnung jenes afrikanischen Landes soll hier unterbleiben. Nur so viel sei verraten: Die Einheimischen dort sind ein traditionelles Hirtenvolk. Auch Leute, die längst in Städten leben, lieben ihr Rindvieh über alles.

Moderne Zeiten und der zunehmende Autoverkehr aber führten vor einigen Jahren zu jener Verordnung, welche die Hauptstadt und andere größere Orte zu viehfreien Zonen erklärt. Rinder, Esel, Ziegen und Schafe dürfen in Städten nicht gehalten werden.

Auf Verkehrsinseln, wo der Rasen bewässert wird und besonders grün und saftig ist, sieht man deshalb häufig Rinder und Kühe weiden. So rochen die Rindviecher denn auch das grüne Gras und das frische Wasser im gepflegten Garten mit Swimmingpool rund um jenes schmucke Häuschen, das der Direktor einer deutschen Hilfsorganisation bewohnte, und zögerten nicht, sich zu bedienen.

Jeder Einheimische hätte sich ergötzt an dem herrlichen Anblick dieser Herde. Denn was kann schöner sein, als wenn sich prächtige Brahman-Rinder mit ihren Höckern und geschwungenen Hörnern, wenn kraftstrotzende Bullen sich an frischem Grün laben? Doch der Direktor – keinem Hirtenvolk entstammend – fand das Bild in seinem Garten nicht erbaulich und versuchte, die Tiere zu verscheuchen.

Brahman-Rinder, so muß man wissen, werden leicht wild. Man muß sie behutsam behandeln. Und vielleicht hat ja der Direktor nicht behutsam genug... Jedenfalls lag Sekunden später der Gartenzaun in Trümmern, die Herde stob in alle Winde auseinander. Nur eine Kuh – sie hatte sich am Zaun den Fuß verletzt – sprang von Panik erfaßt in den Pool, in relative Sicherheit. Weder Drohungen noch gute Worte konnten sie nun zum Verlassen des Swimmingpools bewegen.

Guter Rat war teuer, und die Zeit drängte, denn der Direktor war auf dem Sprung zum Flughafen für eine Auslandsreise. In seiner Not rief er die Polizei. Weil es um Rinder ging, war diese auch sofort zur Stelle, und sie erkannte gleich: Die Lage war diffizil. Zum einen, weil es sich um die Herde des Generalstaatsanwaltes handelte. Zum anderen, weil – ein jeder Rinderkenner hätte das sofort gewußt – die Kuh den Pool nur mit ihrer von der Leitkuh geführten Herde verlassen würde. Die aber war, von Panik getrieben, mittlerweile in der Stadt verstreut. Wenn es um Rinder geht, ist dortzulande selbst der Amts weg kurz, bis hinauf zum Präsidenten. Und der hat, stets einsatzbereit, eine Motorradeskorte mit schmucken weißen Uniformen. Sofort schwärmte die aus mit Blaulicht und Sirenen, wohl wissend, wo man Rinder suchen muß. In kurzer Zeit waren die Tiere wieder beisammen, und dann ging es, behutsam und ohne Sirenen, mit der Herde zurück in den Garten und zum Pool.

Eine längere Pause war nun vonnöten, damit sich die Tiere beruhigen konnten, auch wenn es dem Direktor pressierte. Denn nur beruhigte Tiere würden gemächlich, mit der verletzten Kuh in ihrer Mitte, den Garten wieder verlassen. Und so geschah es, gerade noch rechtzeitig vor des Direktors Abflug.