Es war vorauszusehen. Nachdem der erste Bildungsgipfel am 11.11. der eigenen Gigantomanie zum Opfer fiel, verkeilte sich die zweite Runde in der vergangenen Woche mit den Ministerpräsidenten hoffnungslos in wechselseitiger Rechthaberei und Sturheit. Dabei legt die Gesprächsdramaturgie den Verdacht nahe, daß beide Seiten die Runde mit Absicht platzen ließen. Wie sonst erklärt sich, daß jeder just das Thema zur Sprache brachte, von dem der Gesprächspartner bestimmt nichts wissen wollte?

Der Kanzler bestand darauf, die Schulzeit bis zum Abitur generell auf zwölf Jahre zu verkürzen. Und die Ministerpräsidenten verweigerten weiter jegliche Kooperation, wenn sich der Bund nicht finanziell kräftiger an den allgemeinen Bildungsausgaben beteilige.

Als Kohl vor mehr als einem Jahr der Republik einen Bildungsgipfel verhieß, war dies ein Signal, an das sich große Erwartungen knüpften. Viele sahen – nach der Wiedervereinigung – endlich die Chance, die immer wieder verschleppte, in ihren Anfängen steckengebliebene Bildungsreform auf den Weg zu bringen. Und nicht genug damit; das Kanzlerversprechen regte die Phantasie an, ließ neue Konzepte entstehen und machte Mut, alte Tabus zu brechen. Und nun hat alles dort geendet, wo jede politische Debatte zur Zeit steckenbleibt: beim Mammon. Die Bildungspolitiker bedienen sich wie im Supermarkt beim Schlußverkauf, genommen wird nur noch, was Geld, Zeit und Studenten spart – Regelstudienzeiten sind gefragt und finanzielle Sanktionen, wenn sie überschritten werden, zwölf Schuljahre, Zentralabitur.

An den Universitäten protestieren die Studenten, weil sie meinen, es ginge um sie. Irrtum, es geht um blockierte Politiker. Sabine Etzold