Die Erschließung einer Weltmarktlücke ist der Aufmerksamkeit des Hans Dieter Knospe zu verdanken. Während eines Spieles seiner Berliner Hockeymannschaft gegen das Nationalteam von Papua-Neuguinea vor einem Jahr staunte er über die riesigen Schuhe seiner Gegenspieler. Größer noch war seine Verwunderung, als jene in der Umkleidekabine zerknüllte Zeitungen aus ihren Schuhen fischten.

Die Erklärung folgte auf dem Fuße: Durch die jahrtausendealte Tradition des Barfußgehens haben sich die Menschen von Papua-Neuguinea ein besonders breites und kräftiges Fußprofil bewahrt. Die auf dem Weltmarkt erhältlichen Schuhe huldigen aber längst dem westlichen Normfuß, so daß die Papua-Neuguineer stets um vier bis fünf Nummern größere Schuhe tragen müssen, um genügend Breite zu erzielen. Die überschüssige Länge wird dann eben mit Zeitungspapier ausgestopft.

Die Geschichte nahm ihren Fortgang, als Herr Knospe, inzwischen als Geschäftsführer in der Schuhbranche tätig, im Frühjahr 93 seinen damaligen Gegenspieler William Eiya wiedertraf. Der war zur Tourismus-Börse nach Berlin gekommen, in Federbusch, Lendenschurz, Baströckchen und natürlich barfuß. Stehenden Fußes machten sich die beiden daran, dem Schuhproblem von Papua-Neuguinea auf die Schliche zu kommen. In der Neuruppiner Schuhfabrik, die vor der Wende den legendären "Rhinstart"-Sportschuh der Nationalen Volksarmee herstellte, nun nach neuen Auftraggebern und Absatzmärkten sucht, wurde dem William Eiya in einer arbeitsreichen Nacht ein Maßschuh angefertigt. Dessen Proportionen wurden auf Arbeitsschuhe verschiedener Größen übertragen, die nun in Papua-Neuguinea auch ohne Zeitungspapierfüllung getragen werden können. Weitere Vermessungen in Port Moresby gaben Aufschluß über die häufigsten Größen der Insulanerfüße, Neuruppin war zur Produktion bereit, die Regierung von Papua-Neuguinea bestellte im Sommer die ersten 10 000 Paar Arbeitsschuhe.

Zwar ist Papua-Neuguinea größtenteils von Naturvölkern besiedelt, doch zählt es zu den weltweit führenden Lieferanten von Kupfer und Gold, ist also vermögend genug, sich das passende Schuhwerk in Mitteleuropa fertigen zu lassen. So wird man künftig auch bei Verhandlungen auf internationalem Parkett sicheren Stand bewahren.

Schon ist von Nachbestellung die Rede. Und die Tradition der Armee-Beschuhung könnte in Neuruppin auch weitergeführt werden. Ein Modell für einen speziellen Papua-Neuguinea-Knobelbecher steht bereit.

Viel weiß man in Neuruppin nicht von den Leuten in Papua-Neuguinea, aber doch dies: "Sie schnüren nicht gern, sie schlüpfen lieber in den Schuh hinein und fertig." Darauf konnte bei den Knobelbechern naturgemäß keine Rücksicht genommen werden, und dem schnürunlustigen Soldaten von Papua-Neuguinea werden insofern die Schattenseiten einer Geschäftsverbindung mit dem Abendland rasch bewußt werden.