Jede Stadt, die etwas auf sich hält, veranstaltet inzwischen einen Marathonlauf. Die Teilnehmer reisen oft aus allen Teilen der Welt an. Einige Reiseveranstalter haben die Dauerläufer als neuen Kundenkreis entdeckt

Der Lauf über 42,195 Kilometer ist buchstäblich eine echte Weltanschauung geworden. Ob New York-, Boston- oder Singapore-Marathon: Der eingefleischte Langstreckenläufer kann in Ausübung seiner Passion viele große Städte dieser Welt im Vorbeilaufen kennenlernen.

Und er braucht diese Expeditionen nicht einmal selbst zu planen: Reiseveranstalter bieten inzwischen Pauschalen an, deren Leistungen auch die Startnummer umfaßt, die für unorganisierte Sportler zumindest bei den "überlaufenen" Marathon-Klassikern auf anderem Wege kaum erhältlich ist.

Zum Marathon in Boston am 18. April kann man beispielsweise bei DER-Tour (Emil-von-Behring-Straße 6, 60439 Frankfurt, Telephon 069/95 88 00) eine fünftägige Reise buchen, die mit Startgebühr für 1640 Mark zu haben ist. Kaum teurer, nämlich von 1679 Mark an, wird der sechstägige Trip zum Langlauf in Los Angeles am 6. März angeboten.

Die Ziele werden immer exotischen Der Frankfurter Veranstalter Inter-Air (Triftstraße 28, 60528 Frankfurt, Tel. 069/96 76 72 46), neben DER-Tour der zweite größere Anbieter, offeriert 1994 beispielsweise Pauschalreisen zum Kathmandu-Marathon in Nepal (Januar), zum Marathon in Nuuk auf Grönland (Juli), in Ulan Bator in der Mongolei und in Omsk in Sibirien (beide im August). Alle Reisen sollen nach Auskunft der Firma unabhängig von der Teilnehmerzahl stattfinden. "Die Läufer entwickeln eine Sammelleidenschaft", weiß Randy Tylle von Inter-Air, "sie wollen an möglichst vielen verschiedenen Läufen teilnehmen." Für 1994 erhöhte der Frankfurter Veranstalter sein Angebot darum gegenüber dem Vorjahr von 16 auf 23 Läufe.

Fast folgerichtig verstehen sich die klassischen Marathons inzwischen auch als touristische Attraktionen und Einnahmequellen. So sind beispielsweise beim New-York-Marathon, an dem Ende November knapp 27 000 Läufer aus aller Welt teilnahmen, zwei Drittel aller Startnummern für ausländische Läufer reserviert, weil diese in den Hotels, Restaurants und Geschäften Manhattans für Millionenumsätze sorgen. 300 Aktive beförderte allein ihre Firma im Herbst nach New York.

Preislich werden die Laufreisen knapp kalkuliert, weil sich viele eingefleischte Marathonläufer mehrere Starts im Jahr leisten wollen. Die einwöchige Reise zum Vancouver-Marathon in Kanada Anfang Mai wird von Inter-Air für 1890 Mark angeboten, der beliebte Stockholm-Marathon Anfang Juni mit Flug ab Hamburg oder Berlin und drei Übernachtungen für 1185 Mark.

Die meisten Pauschalen lassen sich auch gegen Aufpreis mit einem Urlaubs- oder Besichtigungsprogramm kombinieren. Wer einen der berühmten Marathonläufe als Zuschauer erleben will, kann alle Reisen auch ohne Startnummer buchen. Olaf Krohn