HEILBRONN. – Wenn eine Geschichte harmlos beginnt, kann sie dennoch ein dickes Ende haben. Diese beginnt in einem Supermarkt und endet im Duschraum einer Polizeidirektion. Dazwischen liegen zwei Beispiele von selbstherrlicher Beamtenwillkür. Doch der Reihe nach.

Ein Supermarkt in Heilbronn: Eines Tages ertappt ein Mitarbeiter wieder einmal einen stehlenden Asylbewerber und ruft die Polizei. Der herbeigeeilte Beamte, endlich an den Hebeln der Macht gegen die steigende Ausländerkriminalität, zeigt dem Filialleiter, wie man mit dem Pack umgeht: Er verlangt den Firmenstempel und drückt dem verdutzten Ladendieb das Stigma höchstpersönlich in die Aufenthaltsgenehmigung. Und um den Räuber wirklich ein für allemal abzustempeln, setzt er unter das Zeichen noch einen handschriftlichen Vermerk: Hausverbot. Dann reicht er dem Asylbewerber die amtlichen Ausweispapiere zurück und jagt ihn davon.

Was die Polizei vormacht, kann nicht falsch sein. So dachten jedenfalls die Heilbronner Geschäftsleute. Gleich drei Filialleiter nahmen sich die Polizisten zum Vorbild. Wurde ein Asylbewerber beim Klauen erwischt, mußte er fortan zum Chef. Und der machte kurzen Prozeß: Ausweis her, Stempel drauf, Hausverbot. Ein Brandzeichen, wann und wo auch immer der Asylbewerber wieder seinen Ausweis zeigen mußte. Bei der Ausländerbehörde, auf der Post, am Bahnschalter, bei Polizeikontrollen und auf dem Sozialamt. Kein Wunder, daß die Filialleiter irgendwann angezeigt wurden und die Staatsanwaltschaft sich der Sache annahm. Sie warf den Kaufleuten Sachbeschädigung an den Ausweispapieren vor. Immerhin.

Doch die Geschäftsführer fühlten sich im Recht und außerdem im Stich gelassen von Polizei und Justiz beim Kampf gegen die immer frecher werdenden Ladendiebe. Eindreiviertel Jahr dauerten die Ermittlungen, jetzt wurde das Verfahren eingestellt. Denn die Staatsanwaltschaft kam zu dem Schluß, daß es den Geschäftsleuten am nötigen Unrechtsbewußtsein gefehlt habe. Schließlich hatte sie ein echter Gendarm zu dem bösen Spiel angestiftet.

Es blieb den Staatsanwälten also nichts anderes übrig, als gegen den dreißigjährigen Polizisten zu ermitteln. Doch auch dieses Verfahren wurde nun eingestellt. Das Delikt ist nach Ansicht der Behörde zu unbedeutend. Sachbeschädigung, was ist das schon? Doch der Polizist hat noch tiefere Abgründe zu bieten. In einem anderen Verfahren muß er sich demnächst wegen sexueller Nötigung vor Gericht verantworten.

Im Juni soll der Dreißigjährige zusammen mit zwei Kollegen in Heilbronn unterwegs gewesen sein, am späten Nachmittag, in Zivil und ohne Dienstwagen. Zufällig begegnete den drei Schutzpolizisten eine schutzlose Frau, 33 Jahre alt und zudem nach einem Streit mit ihrem Mann ziemlich eingeschüchtert. Die drei Männer sprachen die Frau an und fragten sie, ob sie Lust hätte, Nacktaufnahmen von sich machen zu lassen. Sie lehnte entrüstet ab. Daraufhin wurden die drei Beamten zudringlich, einer griff sogar zu einem Ziegelstein und drohte der Frau damit. Schließlich nötigten sie sie, in den Privatwagen eines der Polizisten einzusteigen. Dann fuhren sie die verängstigte Frau in die Heilbronner Polizeidirektion. Dort führten sie sie zuerst in den Gymnastik- und anschließend in den Duschraum und zwangen sie, sich zu entkleiden. Die Männer zogen sich ebenfalls aus. Dann zwangen sie die völlig verstörte Frau zu sexuellen Handlungen. So sieht das Ganze jedenfalls der zuständige Oberstaatsanwalt.

Beendet wurde das Treiben erst, als ein Kollege die drei Polizisten mit der Frau im Duschraum erwischte und sofort den Chef rief. An der Glaubwürdigkeit der Frau besteht nach Ansicht des Oberstaatsanwalts kein Zweifel. Das gehe aus dem psychologischen Gutachten hervor, mit dem die Frau offenbar zunächst als psychisch und physisch unbeholfen abgestempelt werden sollte.