Erinnern wir uns, in behutsamer Annäherung an König David, der zugleich ein Sänger war, jener festlichen Morgenstunde in der Katherinenkirche von Nürnberg, mit der Richard Wagner seine "große komische Oper", "Die Meistersinger von Nürnberg", beginnen läßt. Es ist Johanni-Zeit, die Gemeinde hat den Choral beendet. "Edler Täufer! Christi Vorläufer! Nimm uns gnädig an, dort am Fluß Jordan", man erhebt sich "und verläßt unter dem Nachspiele allmählich die Kirche".

Nur die Liebespaare, die von nun an die Handlung mitbestimmen werden, zwei Soprane und zwei Tenöre, bleiben zurück: Junker Stolzing und seine Eva aus bürgerlichem, wenngleich reichem Geschlecht, begleitet von ihrer Dienstmagd Magdalene und einem Lehrbuben aus der Werkstatt des Poeten und Schusters Hans Sachs.

Sein Name: David – anspielungs- und beziehungsreich in vielfacher Weise: Wie sehr, das beweist die Replik der verliebten Eva ("Euch oder keinen" läßt sie, sich vergessend, Walther von Stolzing wissen) auf Magdalenens Vorhaltungen ("Bist du von Sinnen? Sahst ihn doch gestern zum ersten Mal?") "Das eben schuf mir so schnelle Qual, daß ich schon längst im Bilde ihn sah. Sag, trat er nicht wie David nah?" Wie David? Ihr David? Kein Wunder, daß Magdalene, verärgert über die ihr scheinbar plötzlich erstandene Nebenbuhlerin, sich höchst erstaunt zeigt: "Bist du toll? Wie David?"

Nun die Herrin beschwichtigt: Nicht den Lehrbub meine sie, sondern den König der Juden – und ihn auch nicht in leibhaftiger Person, sondern im Bild.

Und siehe, Magdalene glaubt zu verstehen: "Ach! – Meinst du den König mit der Harfen und langem Bart in der Meister Schild?" Doch Eva repliziert: "Nein! Der, dess’ Kiesel den Goliath warfen, das Schwert im Gurt, die Schleuder zur Hand, das Haupt von lichten Locken umstrahlt, wie ihn uns Meister Dürer gemalt!"