Zu dem Ziel stellen die Physiker die Schallfrequenz etwas falsch ein, und zwar so, daß die Blase weiterhin stabil oszilliert und blitzt, aber die Zeitabstände zwischen zwei Blitzen die uhrwerkartige und unerschütterliche Regelmäßigkeit verlieren, dies, obwohl die Anregung durch den Schall weiterhin periodisch ist. Tatsächlich wird die Verteilung der Zeitintervalle immer komplizierter, je mehr die Schallfrequenz vom optimalen Wert abweicht. Bei leichter Verstimmung ist die Wiederkehrzeit der Blitze nicht mehr eindeutig; statt dessen gibt es zwei verschiedene, in erratischem Wechsel aufeinanderfolgende Wiederkehrzeiten. Bei größeren Verstimmungen treten vier Wiederkehrzeiten auf, dann acht, sechzehn und immer mehr; schließlich bildet sich eine chaotische, nicht mehr prognostizierbare Verteilung heraus.

Dieses Verhalten, dieser Weg von der Ordnung ins Chaos, entspricht exakt einem Standardszenario der Theorie dynamischer Systeme ("Chaosphysik") und kann mit deren Methoden analysiert werden. Die Untersuchungen stehen noch am Anfang; unter anderem lassen sich aber jetzt schon mit den so gewonnenen Einsichten die momentan gehandelten Erklärungen der Sonoluminiszenz kritisch überprüfen. Beispielsweise kann vermutlich ein Mechanismus ausgeschlossen werden, der auf ein bisher eher in der Quantenelektrodynamik beheimatetes Phänomen (Casimir-Effekt) zurückgreift.

Die Sonoluminiszenz verliert allmählich ihren Charakter eines weißen Flecks auf der Landkarte der Physik – wenn es wohl auch noch eine Zeit dauern wird, bis der zugrundeliegende Mechanismus vollkommen aufgeklärt und Verstanden ist. Über praktische Anwendungen wäre noch nachzudenken; eine präzis blitzende Lichtquelle ist ein interessantes Instrument. Sicherlich dürfen sich aber die Erwartungen nicht an dem Einsatz des Phänomens in der fernen Vergangenheit orientieren, in der die "Ur-Sonoluminiszenz" eine Metapher für den Urknall darstellt (oder vice versa? 1. Moses 1:3): "Und Gott sprach (!): Es werde Licht, und es ward Licht."