Die Fülle der schlechten Wirtschaftsnachrichten im abgelaufenen Jahr war erdrückend. Und dennoch, es gab auch einige Unternehmen, die quasi als "weiße Raben" dem Negativtrend entgegenstanden – eine subjektive Auswahl:

Eigentlich galt die Armbanduhrenproduktion in Deutschland Mitte der achtziger Jahre schon als tot. Ähnlich wie bei Kameras, Faxgeräten oder Videorecordern schien gegen die Übermacht aus Fernost nichts mehr zu machen. Doch seit Wolfgang Fritz 1987 als Chef zur traditionsreichen Uhrenfabrik Junghans in Schramberg stieß, hat sich das geändert. Kaum war Fritz an Bord, stiegen die Schwarzwälder Uhrenbauer wieder in das Armbanduhrengeschäft ein und eroberten seither mit intelligenten technischen Innovationen und cleverem Marketing den deutschen Markt Stück für Stück zurück. Mit der Funkuhr, der genauesten Armbanduhr der Welt, einer Solarvariante und seit neuestem auch einer Kombination der beiden Technologien zeigten sie Japanern und Schweizern, was eine Harke ist: Mit 16 Prozent Marktanteil ist Junghans mittlerweile hierzulande wieder mit Abstand Marktführer in diesem Bereich.

Die Zahlen, die Wolfgang Fritz vorweisen kann, dürften die Muttergesellschaft in Nürnberg, die Diehl-Gruppe (Wehrtechnik, Maschinenbau, Uhren), froh stimmen: Von 1983 bis 1993 stieg der Umsatz von gut 90 auf 400 Millionen Mark, die Belegschaft stieg auf 900 Köpfe im Schwarzwald, und weitere gut 250 Facharbeiter stellen im thüringischen Seebach die Zweitmarke Eurochron her. Jetzt sind die Schwarzwälder dabei, in Japan, dem Heimatmarkt der Uhrengiganten Seiko und Citizen, Fuß zu fassen.

Wenn es eine Ausschreibung für besondere Erfolge in der Computerindustrie gäbe, dann käme sicher kaum einer an Hewlett Packard (HP) vorbei. Während in der Branche angesichts des rapiden Preisverfalls weltweit das Heulen und Zähneklappern grassiert und selbst bei einstmals als schier unverwundbar geltenden Giganten wie IBM oder Digital Equipment Hiobsbotschaften über Umsatzeinbrüche, schwindende Gewinne, Werksstillegungen und Stellenabbau die Runde machen, meldet das HP-Hauptquartier im kalifornischen Palo Alto für das Ende Oktober abgelaufene Geschäftsjahr einen Gewinnsprung von 34 Prozent bei einem Umsatzwachstum von 24 Prozent auf über 20 Milliarden Dollar. Wesentlichen Anteil am guten Geschäftsverlauf in den vergangenen Jahren hatte die größte HP-Tochter (6200 Beschäftigte) im baden-württembergischen Böblingen. Während andere Hersteller über den deutschen Produktionsstandort klagen, gelang es dem Ende April in den wohlverdienten Ruhestand gegangenen langjährigen HP-Deutschland-Chef Eberhard Knoblauch, sogar noch die Ansiedlung eines neuen Leiterplattenwerkes durchzudrücken. Sein Nachfolger Jörg Menno Hanns kann trotz Rezession mit positiven Zahlen glänzen: einem Umsatzanstieg um rund 20 Prozent und gestiegenen Gewinnen.

Zum Erfolg der Kalifornier und ihres schwäbischen Ablegers trugen nicht zuletzt zwei Faktoren bei: Zum einen setzten sie bei Computern, Meßgeräten und Druckern offenbar frühzeitig auf die richtigen Technologien und zum anderen sorgte die besondere HP-Firmenphilosophie für motivierte Mitarbeiter. Offene Kommunikationsstrukturen und fortschrittliche Arbeitsorganisationsmodelle (etwa Arbeitszeitkonten) zahlen sich im harten Konkurrenzkampf aus.

Mit Elektronik haben die Produkte der Ravensburger AG wenig zu tun. Im Gegenteil, das 1883 gegründete traditionsreiche oberschwäbische Familienunternehmen ist seinem Kernbereich Brettspiele, Puzzles und Kinderbücher bis heute treu geblieben. Trotz des Trends zu Video- und Computerspielen konnten die Ravensburger gerade in jüngster Zeit positive Absatzerfolge melden. Im Geschäftsjahr 1993 erwarten sie für ihren klassischen Spielesektor sogar einen zweistelligen Umsatzanstieg, deutlich über dem Branchenwachstum. Bereits im Jahr 1992 verkauften die Ravensburger mit ihren rund 1500 Mitarbeitern für 341 Millionen Mark Gesellschaftsspiele, Puzzles, Lexika und Bilderbücher. Mehr als die Hälfte ihres Umsatzes erzielen die Oberschwaben mitterweile vor allem im europäischen Ausland. Doch Tradition schließt in der AG, die nach wie vor den Nachfahren von Otto Maier gehört, Modernität nicht aus. Um die Kapazität den starken saisonalen Schwankungen des Spielzeugmarktes anzupassen, haben die Schwaben etwa eigene flexible Arbeitszeitmodelle entwickelt. Der Vorstandsvorsitzende der Anfang des Jahres in eine Aktiengesellschaft umgewandelten Unternehmensgruppe, Julius Otto Maier – er ist ein Enkel des Firmengründers –, hat den Familienkonzern zudem behutsam an die veränderten Märkte angepaßt. Eine eigene TV-Produktionsgesellschaft für Kinder- und Jugendserien und eine neue Tochter, die für Firmen- und Großveranstaltungen passende Großspiele anbietet, sollen auch in Zukunft für Wachstum sorgen. Ganz elektronikfrei ist das Programm der Ravensburger Spielekönige freilich nicht mehr: Ein Tierlexikon auf CD-Rom gehört zu den aktuellen Rennern im Programm.

Gegen den Branchentrend kämpft mit Erfolg auch die Hamburger Edelschneiderin Jil Sander. Während französische und italienische Modemacher bereits 1992 die nachlassende Konjunktur für Luxusgüter zu spüren bekamen, legte die Hanseatin mit ihrer Jil Sander AG immer noch kräftig auf rund 135 Millionen Mark Umsatz zu. Auch 1993, in der auch manche einst glänzende deutsche Modemarke an ihre Grenzen stieß, konnte die kühle Norddeutsche mit ihrer nüchtern-sachlichen Mode ihren Umsatz halten. Die Rezession im wichtigen italienischen Markt machten die Hamburger durch Erfolge in Nordamerika und im Fernen Osten wett. Der Gewinn soll in diesem Jahr sogar noch ansteigen.