Von Peter Freyberg

Genußscheine werden immer beliebter: In den vergangenen drei Jahren hat sich der Wert aller börsennotierten Genußscheine auf knapp zwanzig Milliarden Mark nahezu verdreifacht – ein Ende des Wachstums ist noch nicht absehbar. Grund für den plötzlichen Boom ist vorrangig die Tatsache, daß Genußscheine neuerdings auch bei Kreditinstituten zum Eigenkapital gezählt werden. Deshalb greifen mittlerweile nahezu alle größeren Banken, aber auch viele Sparkassen, auf dieses Refinanzierungsinstrument zurück, das andererseits dem Anleger attraktive Erträge bringt.

Gleichzeitig wird hier jedoch das größte Risiko des Genußscheins offensichtlich: Der Käufer wird nicht zum Gläubiger des Emittenten, sondern er beteiligt sich an diesem Unternehmen – wenn auch nur mit eingeschränkten Rechten. So hat er weder ein Mitsprache- noch ein Mitbestimmungsrecht. Auch an einem möglichen Liquidationserlös wird er meist nicht beteiligt. Dafür haftet er jedoch für entstehende Verluste.

Und das kann Folgen haben: Mit Schrecken denkt heute noch mancher Anleger an das Jahr 1988 zurück, als die Firma Klöckner aufgrund massiver Verluste im Terminhandel eine Auflösung aller Gewinnrücklagen sowie die Herabsetzung des Grundkapitals auf 100 Millionen Mark mit anschließender Erhöhung auf 250 Millionen Mark beschließen mußte.

Genußscheininhaber wurden davon besonders betroffen: Nach den Ausgabebedingungen wurde auch das Genußscheinkapital entsprechend heruntergestuft, damit waren die Klöckner-Scheine über Nacht quasi wertlos. Auch wenn in diesem Fall am Ende eine Abfindung bezahlt wurde, zeigt dies, daß Inhaber von Genußscheinen letztlich in einer schwächeren Position sind als andere Gläubiger eines Unternehmens.

Entscheidend für den Anlageerfolg sind mithin nicht nur die Renditezahlen, die meist deutlich über dem Niveau vergleichbarer Anleihen liegen, sondern stets auch die Emissionsbedingungen. Dabei gilt: Rechtliche Normen gibt es nicht, und so ist jedes Unternehmen weitgehend frei in der Gestaltung seiner Genußscheinbedingungen. Genußscheine lassen sich mithin nur schwer miteinander vergleichen, vor jedem Kauf sollten die Bedingungen, insbesondere die Art der Ausschüttung und der Gewinn/Verlustbeteiligung sowie der Rückzahlungstermin und der Rückzahlungs-Grundsätzlich unterscheidet man heute vier Gruppen von Genußscheinen:

  • Genußscheine mit fester Verzinsung: Diese Form ist insbesondere für konservative Anleger interessant. Sie ähnelt stark den festverzinslichen Anleihen und ermöglicht ebenso wie diese neben den festen Ausschüttungen auch noch Kursgewinne – in Zeiten fallender Zinsen. Ihre Rendite richtet sich deshalb – errechnet aus dem aktuellen Börsenkurs und der festen Ausschüttung – nach der jeweiligen Lage am Kapitalmarkt. In den vergangenen Monaten kam es daher zu beträchtlichen Kursgewinnen. Zu dieser Gruppe zählen etwa die Genußscheine von Sixt oder von der Westdeutschen Landesbank.