Arte, Samstag, 25. Dezember, 22.20 Uhr: "Blödeln für Deutschland"; Freitag, 31. Dezember, 22.40 Uhr: "Blödeln auf die feine englische Art"

Verflucht seien alle Geschmacksgrenzen. Das vereinte Europa (so ist die Lage) gelingt in allem und scheitert bei den Schokoriegeln und bei der Kultur. Schuld sind die Geschmacksgrenzen; Markenhersteller wissen, wovon die Rede ist. Der paneuropäische Kulturtransfer gleicht einer Trümmerlandschaft.

Dies ist um so unverständlicher, als schon sehr früh, von 1969 an, eine vorwiegend britische Elitetruppe Geschmacksgrenzen wie Kulturtransfer gleichermaßen beherzt bearbeitet hat. Der Name des sechsköpfigen Teams: Monty Python. Die Sketches und Parodien in 46 Folgen "Monty Python’s Flying Circus" belehrten die Fernsehzuschauer darüber, was aus dem Größten Führer Aller Zeiten wirklich geworden ist (er wohnt als Mr. Hilter in einer englischen Frühstückspension und arbeitet an der Welteroberung), daß es in den Kleintierhandlungen des Königreichs praktisch unmöglich ist, bereits tot gekaufte Papageien zurückzugeben ("Hören Sie – das ist ein Expapagei!"), und wie man als Hausfrau in Talk-Shows ankommt ("Ich habe eine Theorie über Dinosaurier, es ist meine Theorie, diese Theorie gehört mir, und sie lautet: daß Dinosaurier am einen Ende dünn sind, dann dick in der Mitte und am anderen Ende wieder dünn").

Diese Serie ist in Paneuropa und sonstwo so beliebt, weil sie von der Suche nach dem absoluten Witz handelt. Monty-Python-Witz wird aus den Themen destilliert, löst sich dann aber völlig von ihnen. Er bewahrt die Essenz der Welt und ist doch ganz ohne Wissen von ihr zu genießen. Kristallklar und rein, L’art pour l’art im guten Sinn, und, das kann man heute sagen, ein Jahrhundertwerk, erst recht im Verein mit den Kinofilmen, die sich Graham Chapman, John Cleese, Terry Gilliam, Eric Idle, Terry Jones und Michael Palin später ausdachten.

Bereits nach 25 Folgen der BBC-Serie entstanden, ganz kulturtransfermäßig, Kuriosa: zwei extra für das deutsche Publikum produzierte Monty-Python-Folgen, die jetzt im Zuge des genannten Erfolgs von Fernseharchäologen ausgegraben wurden. Daß sich Pythonologen den Termin keinesfalls entgehen lassen werden, scheint klar. Aber eignet das Material sich auch für den Normalzuschauer?

Die Antwort lautet: Ja. Weil beide Folgen Höhepunkte der Pythonwelt enthalten und klassisch die verschlungene, nur scheinbar unkonzentrierte und anarchistische Pythonfolgenarchitektur zeigen. Auch ist das Rohmaterial zum Teil so gut (etwa: "Alles über die Schleimer" oder der Schwimmkurs mit Michael Palin), daß es selbst die deutsche Synchronisation übersteht, die traditionell meint, englischen Humor hochgradig überdrehen zu müssen, und ihn dadurch stets zertrümmert.

Das gilt für die zweite der beiden Folgen, "Blödeln auf die feine englische Art". In der ersten, "Blödeln für Deutschland", geschieht ein Wunder: Die Pythons sprechen deutsch! Eigenmündig! Und zwar Texte von liebevollen, kongenialen Übersetzern. ("Wir möchten uns für dieses Lied über Albrecht Dürer entschuldigen. Es wird nicht von Frau Ekberg gesungen, sondern von einem Mann, der hinter Frau Ekberg hockt.")