Europas Filmlobby beglückwünschte sich aufs herzlichste zum Ausgang der Uruguay-Runde. Film und Fernsehen kommen nicht unter die Gatt-Regeln, Steuergelder dürfen weiter über gute und schlechte Filme regnen, und Regierungen dürfen Quoten für Filme vorschreiben, die niemand sehen will. Europas Kultur ist gerettet.

Natürlich will angesichts eines solchen Erfolges keiner auf halbem Wege stehenbleiben. Alain Carignon, Kulturminister in Paris, verlangte jetzt, Frankreichs Rundfunk müsse mindestens vierzig Prozent französische Ware senden. Da fragt man sich: Ist das alles? Auch der deutsche Schlager braucht schließlich Hilfe gegen die Negermusik, wie man in den fünfziger Jahren sagte. Und was ist mit Gershwin? Oder den New Yorker Philharmonikern? Auch E-Musik kann die kulturelle Identität untergraben. Und erst Bücher! Warum hat noch niemand an Literaturquoten gedacht? Schließlich sind sie erfreulicherweise erlaubt, nun, da das Gatt abgewendet wurde: Wer einen Paul Bowles will, könnte dann etwa zum Kauf eines obligatorischen Regis Debray (oder wahlweise Ernst Jünger) gezwungen werden. Außerdem, auch Essen ist Kultur. Könnte man nicht irgendwie McDonald’s zwingen, vierzig Prozent Croque Monsieur anzubieten? pp