Von Joachim Nawrocki

Der Jubel bei der Potsdamer SPD war groß – mindestens so groß wie die Freude, die noch vor zwei Wochen am Abend der brandenburgischen Gemeindewahlen bei der damals so unerwartet erfolgreichen PDS geherrscht hatte. Jetzt trat ein, was viele SPD-Politiker nicht mehr gehofft hatten: Ihr bisheriger Bürgermeister Horst Grämlich bleibt für acht weitere Jahre im Amt. Vor vierzehn Tagen hatte der PDS-Konkurrent Rolf Kutzmutz noch mit 45 Prozent weit in Führung gelegen. Bei den Stichwahlen gewann Kutzmutz nun jedoch nichts mehr dazu, Gramlich siegte mit 55 Prozent der Stimmen und konnte endlich befreit lächeln.

Derweil beklagten PDS-Funktionäre, in Potsdam hätten "alle gegen einen" gestanden. Tatsächlich verdankt Grämlich seinen Sieg nicht seiner Partei, sondern einer Allianz all derer, die einen PDS-Bürgermeister in der brandenburgischen Landeshauptstadt verhindern wollten. Denn das wäre mehr als nur Protest, das wäre ein fatales Signal gewesen: Es hätte eine mangelnde Einsicht der Bevölkerung in die tieferen Ursachen ihrer Misere dokumentiert. Die Reaktion im Westen der Republik – "Denen ist eben nicht zu helfen" – wäre nicht ausgeblieben.

Ähnlich wie in Potsdam fielen die Ergebnisse in den anderen 84 Städten und Gemeinden aus, wo ebenfalls Stichwahlen notwendig waren. Nur in Neuruppin und Schulzendorf konnte sich ein PDS-Kandidat endgültig durchsetzen. Die Direktwahlen ins Bürgermeisteramt waren vor allem Personalwahlen: Nicht selten erhielten parteiunabhängige Einzelbewerber oder Kandidaten der Grünen mehr als siebzig Prozent der Stimmen. In Altlandsberg gewann ein indischer Arzt, der erst kurz zuvor eingebürgert worden war, eine Zweidrittelmehrheit.

Landesweit bestätigte sich die PDS am vergangenen Sonntag als zweitstärkste Partei in Brandenburg, hinter der SPD, vor der CDU. Die PDS fand überdurchschnittlich viele Anhänger unter Jugendlichen, mehr bei Männern als bei Frauen und erfreut sich des regen Zuspruchs der sogenannten Intelligenz. Potsdam war ein Warnsignal, die Menschen fühlen sich mit ihren Sorgen zuwenig wahrgenommen. Die Parteienlandschaft in den neuen Ländern hat sich noch lange nicht konsolidiert. Aber auch das spiegelt nur die Verhältnisse in Ostdeutschland wider.