Rezension

Nun sind der Worte sind genug gewechselt, möchte der in Umweltfragen beschlagene Leser den vielen Öko-Schwätzern ungeduldig zurufen. Ihm ist schon zuviel recyceltes Papier bedruckt worden.

Nun steht wieder ein wortreiches, fast 300 Seiten starkes Buch auf dem grünen Buchladen-Tisch. Vier Autoren, seit Jahren aktive Umweltschützer, rufen zu Taten auf, zum genauen Hinschauen, zum Verzicht und zum Protest.

Sie geben eine Fülle von Adressen bekannt, hinter denen sie "Die Ökobremser" vermuten. Denn die Autoren waren ihnen europaweit auf der Spur: den Absahnern und Ausbeutern, den Schreibtischtätern und Versprechern.

Die Fahnder wurden fündig – auch bei sich selbst. Horst Keller, Fernsehjournalist, hat zum Beispiel entdeckt, daß er mit seinem naturbelassenen Dielenfußboden aus Thassos-Marmor zum Sterben der Olivenhaine auf der griechischen Insel beiträgt. Die Marmor(ver)brecher arbeiten mit Maschinen, die aus EG-Kassen mitfinanziert sind. Also Fußböden aus schwedischer Fichte? Bewahre – das würde ja den Anbau des "Wirtschafts-Spargel-Waldes" fördern, der mit Aufforstungszuschüssen aus Brüssel gedüngt wird.

Tips für einen umweltverträglichen Lebenswandel findet der Leser zwar nicht. Dafür machen die Autoren aber deutlich, wie in den Verwaltungen und Parlamenten in Brüssel, Straßburg, Bonn oder Madrid das Gewirr immer dichter wird, wie gut gemeinte Pilotprojekte, gefördert aus unüberschaubaren Subventionstöpfen, allzu häufig das Gegenteil bewirken. "Klar, daß diese Programme und Summen Kriminelle anlocken wie ein Misthaufen die Fliegen", stellt Lutz Ribbe von der Stiftung Europäisches Naturerbe zum Thema Agrarsubventionen fest und belegt dies anhand bekannter und neuer Ungeheuerlichkeiten.

Oder die Verkehrspolitik: Der aufmerksame Medienkonsument ahnt es schon, daß die Wende hin zur Bahn "eine verbale Mogelpackung" ist, wie Rüdiger Wohlers vom Naturschutzbund Deutschland sie bezeichnet. Milliardensummen für Autobahnen von West nach Ost und quer durch die mediterranen Länder machen die umweltschonende Bahn unwirtschaftlich, abgesehen von den konzessionsrechtlichen Bonbons für das Straßengüter-Verkehrsgewerbe. Auch hier, so Wohlers, werden Versprechungen und gute Vorsätze von Lobbyisten konterkariert, die den weitaus besseren Draht zur zuständigen Behörde haben.