Anderen Menschen möchte ich mein eigenes jüngstes Buch empfehlen: "Spuren Gottes auf unseren Wegen – Der Alltag als Begegnungsfeld des Menschen mit Gott" (38 Mark), um vielen an meinen Gottes- und Lebens-Erfahrungen Anteil geben zu können.

Joachim Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln in der "Welt" auf die Frage "Welches Buch verschenken Sie zu Weihnachten?"

Endlich: eine deutsche Tanzzeitschrift

Haben Sparwelle und Konzentration auch einmal ihr Gutes? Die beiden führenden Fachzeitschriften, ballett international und tanz aktuell, werden einander nicht länger ruinöse Konkurrenz machen, sondern unter dem Doppeltitel von Januar 1994 an als eine deutsche Tanzzeitschrift im Erhard-Friedrich-Verlag erscheinen. Damit ist Erhard Friedrich, der seine Hand schon über die Zeitschriften Theater heute, Opernwelt, Deutsche Bühne und Bühnentechnische Rundschau hält, wieder einmal als Retter aufgetreten. Denn mit Kulturzeitschriften ist nicht groß Geld, aber doch Staat zu machen. Unter den vielen vor allem pädagogischen Zeitschriften, die Erhard Friedrich verlegt, sind Theater heute und Opernwelt über Fachkreise hinaus einem größeren Publikum bekannt. So könnte es mit der neuen Tanzzeitschrift auch gehen. Nachdem ballett international, eine viersprachige europäische Zeitschrift, mit der Juni-Ausgabe 1993, im 16. Jahr, das Erscheinen einstellen mußte, bot sich die Chance, das Blatt in neuer Gestalt, und mit tanz aktuell (8. Jahrgang) vereint, wiederauferstehen zu lassen. Herausgeber sind der Ballettkritiker Horst Koegler und der bisherige Herausgeber von tanz aktuell, Johannes Odenthal. Es werden zwei getrennte Ausgaben erscheinen, in Deutsch und Englisch. So könnte die Zeitschrift, deren Redaktionssitz Berlin ist, ein Forum internationaler Debatten über klassisches Ballett und zeitgenössischen Tanz werden. Das wäre deshalb wichtig, weil gerade der moderne Tanz sich als die seit Jahren interessanteste neue Form von Theater bewährt und die Ensembles einander nicht nur bei Festivals begegnen, sondern auch immer öfter internationale Koproduktionen oder Austauschprogramme wagen. Jährlich erscheinen zehn Ausgaben im neuen Großformat von 30 auf 24 Zentimetern. Ende August gibt es ein Doppelheft als Jahrbuch, "Chronik und Bilanz des Ballettjahres", ähnlich den Jahresheften von Theater heute und Opernwelt. Das erste Heft, das schon am 20. Dezember ausgeliefert wird, hat ein regionales Schwerpunktthema: die Ballettsituation an den drei Opernhäusern in Berlin und Johann Kresniks Choreographisches Theater an der Volksbühne. Weitere Themen: die ästhetischen Tendenzen der neunziger Jahre in Europa und den Vereinigten Staaten. Einzelpreis: 16 Mark, im Abonnement: 120 Mark. (Erhard-Friedrich-Verlag, Postfach 100 150, 30917 Seelze)

Stephan Waldberg

Deutsch war die Schlagzeile der türkischen Zeitungen ("Danke, Herr Kohl"), als Innenminister Kanther die kurdische Untergrundorganisation PKK in der Bundesrepublik verbot; deutsche Panzer und Militärfahrzeuge führen im türkischen Militär weiter Krieg gegen Kurdistan; und deutsch ist auch Stephan Waldberg aus Freiburg im Breisgau. Seit mehr als einem Jahr ist er im Militärgefängnis in Diyarbakir eingesperrt, weil ein Exempel statuiert werden mußte, ein Beispiel dafür, wie die deutsch-türkische Freundschaft über Waffen und Leichen geht. Vielleicht ist Stephan Waldberg auch gar nicht mehr so lang Deutscher; er wiegt nur noch 49 Kilo. Nach einem Gutachten des Gerichtsmedizinischen Instituts in Istanbul leidet er unter einer "chronischen Psychose". Die Bundesregierung will nichts davon wissen, schließlich ist Stephan Waldberg kein Nato-Partner, sondern nur deutscher Staatsbürger: Herr Rühe fliegt persönlich buntbehängte Weihnachtsbäume nach Somalia, Herr Kohl erörtert mit Al Gore die Weltlage in Oggersheim. Dazu rieselt leise die neue Weltordnung, und die Glocken von St. Peter klangen nie süßer. Daß Stephan Waldberg in einem Polizeistaat rechtswidrig eingesperrt wurde, interessiert keinen mehr. Wahlkampfvorbereitungen, Europa hier und der Osten da, und schließlich haben wir die Pflegeversicherung noch nicht vom Tisch. Für Stephan Waldberg kommt sie bald zu spät. Danke, Herr Kohl.

Journalistenpoesie: vulkanischer Brei

Wenn Johannes Willms den Feuilletoncomputer der Süddeutschen Zeitung anschmeißt, um sich den brennenden Fragen der Gegenwart zu widmen, dann funkeln die Bilder, zucken die Blitze, und das Satzsystem röchelt. Diesmal galt es, den Nationalismus zu geißeln, ja als "die Erbsünde" schlechthin bloßzustellen. Wenn Willms nicht wäre, würden "Erfahrungen in den Wind geschlagen, aus denen offensichtlich keine Lehren gezogen wurden". Gottlob ist es noch nicht zu spät, und solang ihm keiner den Stecker rauszieht, kann Willms in schimmernder Wehr eingreifen: "Alles ist noch im Fluß, ist lediglich eine Bewegung, die in vielerlei Widersprüchlichkeiten, Ressentiments und Reminiszenzen schillert." Mit einem Wort? "Mit einem Wort: Brei nicht Block." Das ist keß, wenn auch etwas aus der Küche formuliert. Willms rührt weiter: "Die ethnische Gemengelage, die (auf dem Balkan) allenthalben anzutreffen ist, liefert genügend Konfliktstoff, der durch einen nationalistischen Funkenflug zur Explosion gebracht werden kann." Nicht nur hochexplosiver Stoff ist diese breiende Gemengelage, sie ist auch noch ziemlich vulkanisch, ein "Krater des auflodernden Hasses". Aber das Positive, wo bleibt das Positive? Der Computer zittert vor Erwartung – und wird nicht enttäuscht. Da ist sie, die Rettung, die Identität. "Die Identität Europas gründet weder in Kohle und Stahl (nein, nein), noch in Zuckerrüben oder Raps (aber woher denn!), sondern einzig und allein in der Vielfalt seiner kulturellen Traditionen, die durch einen steten Prozeß des Gebens und Nehmens aufs Engste miteinander verzahnt sind." Verzahnt mit dem Krater Balkan, der sich bei Gelegenheit auch in einen "schauerlichen Blutsumpf" verwandelt, übersetzt der überlastete Computer die Gemengelage Willms mit einem einzigen Wort: Baaz.