Immer wenn in Bonn ein wenig Ruhe einkehrt, dann schlägt die Stunde der alten Hüte. Diesmal war es Ministerpräsident Kurt Biedenkopf, der die ereignisarmen Weihnachtstage nutzte, um sich mit Nachrichten aus dem Papierkorb Gehör zu verschaffen. Die Renten seien zwar sicher, erklärte der widerborstige Wahl-Sachse, aber nicht mehr lange. Wer heute vierzig Jahre oder jünger sei, zahle seine hohen Abgaben zur gesetzlichen Rentenversicherung umsonst. Der gehe nämlich von etwa 2020 an das Geld aus. Konsequenz: eine radikale Kürzung der staatlichen Renten bis auf eine Grundsicherung, eine Art Sozialhilfe für alle. Wem die nicht reiche, der müsse sich privat eine Zusatzrente ansparen.

Von der Fachwelt ist Biedenkopfs Idee schon vor Jahren verworfen worden. Die Probleme der Rentenkassen, die sich aus Pillenknick und Arbeitslosigkeit ergeben, lassen sich durch eine Kombination von Grundsicherung und Eigenvorsorge nicht lösen. Beiträge zur privaten Rentenversicherung müssen genauso erwirtschaftet werden wie Beiträge zur gesetzlichen. Verlierer wären all jene, die sich keine Zusatzversicherung leisten könnten. Die Gewinner stehen allerdings schon fest: Für alle Versicherungsvertreter ist die Verkaufshilfe aus Sachsen unbezahlbar. per