Das alte Jahr geht unter – und mit ihm die abertausend heute schon "alten" Bilder, die es hervorgebracht hat. Ganz schnell wollen wir sie vergessen – und mit neuer Gier die neuen Bilder des neuen Jahres erwarten. Von nächster Woche an, auch in der ZEIT. Die letzte Ausgabe des Jahres aber gehört dem Rückblick.

In diesem Jahr soll einer für uns zurückschauen, dessen Arbeitsmaterial nicht die Worte sind, dessen Profession das Blicken ist. Der Münchner Photokünstler Joseph Gallus Rittenberg (Jahrgang 1948), dieser Zeitung seit vielen Jahren verbunden, hat die Sylvester-Ausgabe der ZEIT photographisch gestaltet, von der ersten bis zur letzten Seite. Rittenberg hat sich nicht damit abfinden wollen, daß Bilder, einmal gedruckt, auch schon verbraucht und vergessen sind. Er hat die Bilder des Jahres 1993 noch einmal angeschaut, mit seinem Blick – und es wurden neue Bilder daraus, seltsame, abgründige, komische, manchmal auch unbegreifliche. Rittenbergs Teleschnitte und Piktogramme sind ein zweiter Weg durchs vergangene Jahr: Wir erkennen es wieder in seinen Bildern, und doch ist es uns fremd geworden. Wenn man unbedingt will, steckt darin sogar eine moralische Botschaft: Glaube keinem Bild schon auf den ersten Blick! Aber schauen Sie selber! DZ