Der nächste, bitte! Stephan Hampe müßte den Song eigentlich nicht ansagen. "Die kleinen grünen Männchen aus dem All / sie kamen an mit Überschallknall." So textet im deutschen Popuniversum nur Udo Lindenberg. "Geht mit viel zuviel Gesabbel los!" mäkelt einer der Musikredakteure. Bei Lindenberg stört allerlei, zum Beispiel der Wortwurm "Überschallknall", aber auch, daß er seine Message als Rap rüberbringt.

Mit seinem schüchternen Einwurf – "Den Anfang kann man doch gut wegschneiden, oder?" – kann der Musikredakteur den Panikrocker nicht mehr retten. Der Stapel der Verlierer auf dem Schreibtisch wächst.

Als "The Ones You Love" von Rick Astley angesagt wird, stöhnen alle: "Derschonwieder!" Also wieder ein Verlierer? Doch weit gefehlt: Nachdem sich die sechs R.SH-Mitarbeiter gelangweilt den bewährten Billigbeat angetan haben, schicken sie den Briten mit fünf Jastimmen ins Finale. Zack-Bum! statt Dreivierteltakt, kein Rap: Da weiß man, was man hat.

Anschließend macht sich einer der R.SH-Juroren unter lautem Gejohle über "Dreamer" von Coldcut her. "All that she wants", singt er mit, stülpt also einfach den Text dieses Supersellers von Ace Of Base über die Melodie von Coldcut. Paßt wie angegossen! "Das ist nicht schwer", sagt er, "klingt doch alles gleich heutzutage." Die Professionalität der R.SH-Crew reicht bis zur Selbstverleugnung. Als das Gelächter verebbt ist, steht das Plagiat in der Endrunde.

Insgesamt bleiben im Sieb sieben Titel hängen. Hampe tippt sie noch mal an. Das Team darf kurz reinhören. Auf einem Zettel notiert jeder sein Urteil, maximal sechs Punkte sind zu vergeben. Sieger ist Rick Astley (32 Punkte).

Das Prinzip, nach dem Sender wie R.SH funktionieren, ist einfach. Erstens: Privatradio finanziert sich durch Werbung. Zweitens: Je größer der Hörerkreis, desto größer das Interesse der Werbewirtschaft. Drittens: Hörer entscheiden sich für den Anbieter, der ihre Lieblingsmusik spielt. Wer also die meisten Hits seiner Zielgruppe im Programm hat, schreibt schwarze Zahlen. Die beiden wichtigsten Werkzeuge, um einen knotenfreien Klangteppich zu knüpfen, heißen: Elektronische Datenverarbeitung und Musikforschung.

Wenn die Branche von Computer spricht, meint sie eigentlich Software. Allein 70 deutsche Radiosender (weltweit sind es 2000) lassen sich vom sogenannten Program Selector dabei helfen, Playlists zusammenzustellen.