Wissen die Griechen, was sie an Europa haben? "Wir haben ein hysterisches Verhältnis zu Europa", erklärt Thanos Lipowatz, "es ist geprägt von Anziehung und Abstoßung." Der Professor für politische Psychologie verweist auf griechische Ängste, in Europa die eigene Identität zu verlieren. Doch gleichzeitig gilt der ökonomische Imperativ – und der scheint Volkes Meinung stärker zu beeinflussen. Inzwischen künden überall im Land die blauen Schilder mit den zwölf goldenen Sternen davon, daß mit Geld aus Brüssel gebaut wird. Die Mittel für die Riesenbaustelle der Athener U-Bahn kommen zum größten Teil aus dem Gemeinschaftstopf. Den Bauern ging es noch nie so gut, achtzig Prozent der landwirtschaftlichen Erzeugung sind bezuschußt, nie war die Produktion von Olivenöl so einträglich. Da verwundert es nicht, daß sich die Griechen bei Umfragen in ihrer positiven Einstellung zu Europa von niemandem übertreffen lassen.

Auch die sozialistische Abgeordnete Papandreou versichert: "Die Menschen hier fühlen sich mehr Europa als dem Balkan zugehörig." Doch Griechenland hat keine gemeinsame Grenze mit einem anderen Staat der Europäischen Union. Das Gefühl, vom Westen trotz der stolzen Geschichte bloß als Wurmfortsatz Europas betrachtet zu werden, tut weh. Es ist sicher mehr als ein Zufall, daß der freundliche Passant am Flughafen fragt: "Bleiben Sie im Land, oder fliegen Sie nach Europa?".