Endlich haben die ersten Wissenschaftler die Zeichen der Zeit erkannt. Wenn die öffentlichen Kassen leer sind, hilft kein Jammern, dann sind Ideen gefordert. Leuchtendes Vorbild sind die russischen Weltraumforscher. Erst seit kurzem marktwirtschaftlichen Gesetzen unterworfen, haben sie sofort kapiert, wie der Dollar läuft, und gegen harte Devisen eine ihrer Raketen kurzerhand zur fliegenden Litfaßsäule umfunktioniert. Neue Finanzquellen gruben auch ausgerechnet jene Forscher aus, die sonst nur nach alten Knochen scharren: die Paläontologen. Dem Regisseur Steven Spielberg knöpften sie eine dicke Spende dafür ab, daß sie die versteinerten Gebeine eines Dinosauriers nach den Darstellern von "Jurassic Park" benannten. Und Paul Sereno von der Universität Chicago gelang es sogar, den Ableger eines Hackfleisch-Imperiums für prähistorische Knochen zu begeistern. Das Ronald McDonald Wohltätigkeitswerk für Kinder ist Cosponsor einer Expedition in die Sahara, bei der 24 Wissenschaftler vier Monate lang Dino-Überresten nachspüren. Der Imbißbuden-Konzern will daraus eine Fernsehshow über die Jagd nach den versteinerten Echsen machen. Es lebe der Dinoburger!

Forscher anderer Disziplinen sollten angesichts des Innovationsgeistes der Dino-Forscher eigentlich vor Neid erblassen und schleunigst dazulernen. Amerikas Teilchenphysiker etwa beschweren sich, die Politiker hätten das Projekt SSC – den weltgrößten Teilchenbeschleuniger – dahingemeuchelt. Dabei sind die Wissenschaftler doch selbst schuld am vorzeitigen Ende der Riesenschleuder. Sie hätten ja nur alternative Geldgeber aufbauen müssen. Eine bekannte Kette von Fritten-Schmieden wäre sicher mit dem Versprechen zu ködern gewesen, das erste neue Elementarteilchen, das mit Hilfe des SSC aufgestöbert würde, "Whopper" zu taufen. Falls es sich als besonders schwer herausstellen sollte, könnte es auch den stolzen Namen "Doppelwhopper" tragen. Für weitere Neuentdeckungen hätten sich die Physiker um Hollywoodstars als Paten bemühen können. Im Vergleich zu Pion, Kaon oder Lambda-Teilchen klingen Namen wie Eastwood, Connery oder Basinger doch viel einprägsamer. Zudem verbindet sich mit so manchem Leinwandhelden ein Markenzeichen: Neue Elementarteilchen mit starken Wechselkräften könnten zum Beispiel als Schwarzeneggeronen in die Geschichte eingehen – allerdings nur, wenn Arnold auch anständig dafür löhnt.

Und die deutschen Wissenschaftler? Sie verschlafen wieder einmal alles. Dabei könnten die Werbeetats multinationaler Konzerne ihnen ebenfalls einen warmen Geldregen bescheren. Bei der kontinentalen Tiefbohrung in Windisch- Eschenbach etwa bieten sich als Sponsoren Zahnpastahersteller an: "Wir wollen, daß hier gebohrt wird und nicht in Ihrem Mund". Oder die Zigarettenindustrie: Dann würden die Cowboys im Kino statt durch die amerikanische Prärie zur Abwechslung endlich mal woanders reiten, durch oberpfälzische Wälder nämlich. Und sollte wider Erwarten Marlboro nicht voller Begeisterung zusagen, könnten sich die Geophysiker an die Konkurrenz wenden: "Ich bohr’ meilentief für eine Camel".

Wolfgang Blum