Waldemar Müller blickte aufgewühlt in seine leere Kaffeetasse. "Wie oft bin ich im Westen verhört worden: ‚Warum geben Sie nicht zu, daß Sie geflüchtet sind?‘ Ich fühlte mich wie Rudolf Heß."

"Sie haben es dann lange vermieden, von der DDR zu sprechen. Dort, woher ich komme war Ihre berühmte Formulierung. Der Sozialismus sei in Ihrer Heimat überhaupt kein Problem, haben Sie der Tagesschau und auch dem Fuldaer Anzeiger gesagt; Sie hätten selbst nie einen Sozialisten getroffen."

"Ja, stimmte das denn nicht?" Noch nach all den Jahren, hier in dieser befreiten Ostsee-Gaststätte, suchte er die Bestätigung, die ihm immer und immer wieder verweigert worden war.

"Ich mußte meinen Lebensunterhalt im Westen zunächst mit Kaffeefahrten bestreiten. In 32 Tagen 23 Kaffeefahrten, 3852 Teilnehmer, 9318 zurückgelegte Kilometer, zusammen die Distanz Saalfeld-Hongkong. Und auf jeder Kaffeefahrt ein Ballonflug. Alle wollten sehen, wie ich es gemacht hatte. Auf meine Worte – Keine andere Republik ist so deutsch wie die DDR! – wollte niemand hören."

"Bis Sie zurückgeflogen sind!"

"Ich wollte zurückfliegen, aber in Worpswede versagte mein Ballon. Da bin ich aus dem Fenster gesprungen, weil ich glaubte, es ginge auch so."

Waldemar Müller sprang so unvermittelt auf, wie er damals abgestürzt war. "Zahlen, bitte!" rief er. "Ich bringe Sie jetzt zurück nach Ribnitz."