Der Bundeskanzler blieb vom Hochwasser verschont – Amt wie Bungalow liegen hoch, und Oggersheim ist weit genug vom Rhein entfernt – und demonstrierte auch zur Jahreswende politische Unerschütterlichkeit. In einem Interview plauderte er abermals darüber, wie oft ihm schon die "Kanzlerdämmerung" angekündigt worden sei...

In der letzten CDU-Präsidiumssitzung des alten Jahres allerdings führte Helmut Kohl heftig Klage darüber, daß führende Parteifreunde dem "Dämmerungs"-Gerede immer wieder öffentlich Nahrung gäben. Daraufhin kam es zu erregten Auseinandersetzungen – einer deftigen Szene mit beträchtlicher Lautstärke und kräftigen Worten ("Lüge!", "Sagen Sie die Wahrheit!"), wie man sie in dem Kreis kaum je erlebt hat.

Besonders grimmig gerieten, so wird erzählt, Kohl und sein Stellvertreter Heinz Eggert aneinander. Der sächsische Innenminister verwahrte sich gegen den Vorwurf, er sei Kohl mit despektierlichen Äußerungen in den Rücken gefallen.

Da kam er beim Vorsitzenden aber schlecht an. Wütend belehrte der den Sachsen, daß ihm nicht verborgen bleibe, was er, Eggert, in Hintergrundgesprächen über ihn verbreite. Bonn ist hellhörig.

Übrigens: Der Legende nach war die Methode, Widerspruchsgeister mit Hintergrundwissen mundtot zu machen, eine Spezialität Adenauers.

Eggerts Chef, der sächsische Ministerpräsident, ist nicht so einfach abzuschalten. Kurt Biedenkopfs neueste Ruhestörung war ein Interview zum Thema Renten: "Der Generationenvertrag ist... nicht durchzuhalten."

Händeringen bei den Stallwächtern im Kanzleramt: "Völlig überflüssige Diskussion." Kohls Helfer zeigen denn auch – diskret – Verständnis dafür, daß der Sozialdemokrat Rudolf Dreßler über Biedenkopf sagt, damit gäbe er den Rechtsradikalen neuen Auftrieb.