Aus Stoffen wie dem Übernahme-Fight um den Unterhaltungskonzern Paramount produziert Hollywood normalerweise Kassenschlager. Rückblende: 1983 ekelt der neue Chef des Unternehmens, Martin Davis, seinen innovativen Studioboß Barry Diller aus dem Unternehmen. In der Folgezeit macht "Killer Diller" aus Fox Television einen veritablen Gegner der großen drei amerikanischen Fernseh-Networks, bevor er überraschend den Kaufhaus-Sender QVC (Quality and Value for Customers) übernimmt und immer mehr Kunden für elektronisch angepriesene Kleider und Schmuckstücke gewinnt. Doch der Mann will mehr: einer der Mächtigen werden im Multimedia-Markt der Zukunft. Dazu muß er nicht nur Waren feilbieten, sondern die TV-Konsumenten auch mit abrufbaren Filmen und Fernsehprogrammen versorgen.

Seine Chance kommt im Herbst 1993. Fernsehmogul Sumner Redstone, der mit seinem Viacom-Konzern unter anderem den Musiksender MTV betreibt, bietet über acht Milliarden Dollar für Paramount – und damit auch für das letzte große unabhängige Hollywood-Studio. Redstone, der viertreichste Mann des Landes, und Davis, immer noch die Nummer eins bei Paramount, sind sich einig. Angesichts des immens hohen Preises lassen Interessenten wie CNN-Besitzer Ted Turner und der Bertelsmann-Konzern von Paramount ab.

Nur einer nimmt den Kampf auf: Barry Diller. Im Sommer hatte Davis ihn noch bei einem ihrer wenigen Treffen angebrüllt: "Ich weiß, daß du hinter mir her bist." Und richtig: QVC bietet 9,5 Milliarden Dollar für Paramount. Der bedrohte Davis hält weiter zu Redstone und schlägt das Angebot des Erzfeindes aus. Mit Hilfe der regionalen Telephongesellschaft Nynex kann die hoch verschuldete Viacom Dillers Offerte dann sogar überbieten. Doch der schlägt unbeirrt zurück: Mit der größten regionalen Telephongesellschaft, Bell South, im Rücken erhöht er auf über zehn Milliarden Dollar. Aber erst vor dem obersten Gericht des zuständigen Bundesstaats Delaware erringt Diller einen vorläufigen Sieg: Der Paramount-Vorstand, sagen die Richter, muß alle Angebote gleichermaßen prüfen. Mehr noch: Die sogenannten Giftpillen, Maßnahmen, mit denen Paramount eine feindliche Übernahme verhindern will, sind unzulässig.

Davis kann nicht mehr anders: Am Stichtag kurz vor Weihnachten empfiehlt der Paramount-Vorstand die Diller-Offerte den Aktionären. Aber bis zum 6. Januar dürfen noch neue Angebote abgegeben werden, dann votieren die Aktionäre endgültig. Noch eine Woche muß der ehemalige Underdog zittern, dann würde Diller zu den Großen der Branche zählen. Daß die meisten Experten Paramount für hoffnungslos überbewertet halten, ist dabei Nebensache. Uwe Jean Heuser