Respekt vor der Leistung der holländischen Tomatenzüchter: Sie haben es geschafft, die knallrote Frucht millionenfach billig, schnittfest, transport- und lagerfähig herzustellen. Zu jeder Jahreszeit war die Hollandtomate in den hiesigen Supermärkten präsent. 1994 wollen die Niederländer ihrem Züchtungserfolg nun die Krone aufsetzen: Sie wollen die Konsumenten glauben machen, daß die Hollandtomate auch schmeckt.

Der Grund: Das Gemüse aus dem Nachbarland ist beim deutschen Volk in Ungnade gefallen. Waren es die Berichte über fabrikmäßige Produktionsmethoden in endlosen Treibhäusern oder tatsächlich die Geschmacksnerven? Immer mehr Deutsche empfinden jedenfalls die holländische Tomate als geschmacklos – und greifen deshalb zu Erzeugnissen aus sonnigeren Gegenden.

Die verblüffende Antwort aus Holland ist ein propagandistischer Angriff auf den Gaumen der Konsumenten. "Ackern für Deutschland" heißt die Kampagne, die neuen Schwung in die Tomatenvermarktung bringen soll. Warum denn auch den Tomaten Geschmack anzüchten, wenn man vielleicht auch das Geschmacksempfinden beeinflussen kann? Womit bewiesen wäre, daß man über Geschmack doch streiten kann. vo