Von Klaus-Peter Schmid

Mit Beginn des Neuen Jahres schlägt Frankfurt eine große Stunde. Denn vom 1. Januar 1994 an hat eine Institution, um die sich viele Länder bemüht haben, ihren Sitz in der Finanzmetropole am Main: das Europäische Währungsinstitut (EWI). Es ist die Vorstufe zu einer künftigen Europäischen Zentralbank, dem Herz und Hirn der spätestens zur Jahrhundertwende geplanten Euro-Währung. Klar, daß sich die Geld-Gurus in Mainhattan von der Präsenz der europäischen Institution einen beträchtlichen Auftrieb für ihre Geschäfte versprechen.

Zunächst einmal geht es aber um alles andere als um Transaktionen an Finanz- oder Devisenmärkten. Mitglieder des EWI sind die Zentralbanken der zwölf Länder der Europäischen Union. Das EWI ist also in erster Linie eine Behörde, und deren oberstes Ziel wird es sein, "die Zusammenarbeit zwischen den nationalen Zentralbanken zu verstärken" und "die Koordinierung der Geldpolitiken der Mitgliedstaaten mit dem Ziel zu verstärken, die Preisstabilität aufrechtzuerhalten". So steht es im Vertrag von Maastricht, der die Etappen zur Europäischen Währungsunion und damit zu einer einheitlichen europäischen Währung festlegt.

Was nach reiner Bürokratenarbeit aussieht, birgt jedoch politischen Zündstoff. Wie kann man zum Beispiel die Geldpolitiken von zwölf Ländern aufeinander abstimmen, wenn man lediglich Empfehlungen, aber keine Anweisungen geben darf? Für die Deutsche Bundesbank ist die Antwort klar: Die Kompetenz der nationalen Währungsbanken bleibt unangetastet, folglich kann es im EWI allenfalls um eine "Stärkung des geldpolitischen Koordinierungsprozesses zwischen den Notenbanken der Mitgliedsländer" gehen.

Anderen Ländern ist das zuwenig. Sie plädieren jetzt schon dafür, die Position des EWI so auszubauen, daß an seinen Beschlüssen niemand vorbeikommt. Mehr als bisher, so der Hintergedanke, soll damit die dominierende Rolle der Mark auf Europas Devisenmärkten begrenzt werden. Gerade nach der Erfahrung der vergangenen beiden Jahre, in denen die Partner über das "Diktat der Mark" klagten, würden sie die Bewegungsfreiheit der Bundesbank gerne einengen. Die deutsche Zentralbank aber betont: "Die Verantwortung für die Geldpolitik verbleibt in der Übergangsphase auf nationaler Ebene."

Verlockend finden manche Länder auch, daß es dem EWI erlaubt ist, von den nationalen Zentralbanken Gold- und Devisenreserven entgegenzunehmen und sie zu verwalten. Vor allem die Habenichtse werfen schon begehrliche Blicke auf die Schätze der Bundesbank und sähen es am liebsten, wenn man schon jetzt einen möglichst großen Teil der nationalen Reserven zusammenlegte. Aus dem gemeinsamen Fundus ließen sich zum Beispiel schwache Währungen stützen. Kein Wunder, daß auch diese Idee bei den Franfurter Währungshütern auf keine Gegenliebe stößt.

Eine dritte Funktion des EWI dürfte keinen Anlaß zum Zank geben: die praktische Vorbereitung der einheitlichen Währung. Das reicht von der Harmonisierung von Verrechnungssystemen und Statistiken bis zur Frage, wie eine künftige Euro-Zentralbank funktionieren kann und wie ihre politischen Instrumente aussehen sollen. Besonders spannend dürften zwei Themen sein, über die sich die Spezialisten des EWI den Kopf zerbrechen müssen: Wie sollen die gemeinsam benutzten Euro-Geldscheine aussehen? Und wie tauscht man sie am zweckmäßigsten gegen die bis dahin gültigen nationalen Währungen ein?