Sylt hat von der Autolawine die Nase voll. In der nächsten Sommersaison sollen Urlauber in halbstündlich verkehrende Busse umsteigen. Das ist erst der Anfang eines Verkehrskonzeptes für die Insel.

Erstmals prangt auf der Titelseite des neuen Westerländer Unterkunftsverzeichnisse klein und bescheiden ein Logo mit bislang unerhörter Botschaft: Ein ist durchgestrichen, und darüber steht: "Sylt zuliebe". Deutschlands bekannteste Ferieninsel, auf der in den Sommermonaten die Limousinen der Schönen, Reichen und Neureichen paradieren, will die Urlauber aus dem Auto locken.

Von Mai an wird der Busverkehr zwischen List und Hörnum ausgeweitet. Zunächst sind halbstündliche Anschlüsse ins Auge gefaßt. Außerdem ist die Anschaffung von drei Fahrradbussen geplant. Dann sind auch kombinierte Bus-Fahrrad-Touren auf der vierzig Kilometer langen Insel möglich.

"Es paßt nicht mehr in die Welt, daß man den Autoverkehr weiter fördert", sagt Margit Eschbach, Sprecherin der Westerländer Kurverwaltung. "Die Einstellung unserer Gäste wandelt sich. Wir müssen ihnen Alternativen anbieten, damit sie sich bewegen können." 1992 kamen in den Autozügen der Bundesbahn 480 000 Fahrzeuge und mit der Autofähre aus Dänemark nochmals 120 000 Fahrzeuge nach Sylt.

"Solange es für unsere Kunden billiger und bequemer ist, statt mit der Bahn mit dem Auto auf die Insel zu fahren, können wir daran nichts ändern", sagt der Rantumer Bürgermeister Helge Jansen, der zugleich Vorsitzender des Zweckverbandes der sieben Sylter Inselgemeinden ist.

Mit der Verbesserung des Busverkehrs sollen die Touristen jetzt immerhin dazu bewegt werden, auf der Insel das Auto stehenzulassen. Andere Ferienregionen haben ein solches Angebot längst geschaffen, doch das gemeinhin als "Autoinsel" apostrophierte Sylt betritt damit völliges Neuland.

"Hier gibt es bisher keinen öffentlichen Personennahverkehr", offenbart Bürgermeister Jansen selbstkritisch langjährige Versäumnisse der Inselgemeinden. Das Busunternehmen arbeitet bislang ohne Zuschüsse und schreckt potentielle Umsteiger allein mit seinen hohen Busfahrpreisen ab.