Hochzeit? Irgendwie fallen uns da immer Charles und Diana ein. Der Traum aus weißer Spitze, Maiglöckchen und Orgelbrausen – ausgeträumt, natürlich, nicht anders als bei gewöhnlichen Leuten auch.

Wenn also überhaupt noch heiraten, dann bestenfalls wegen der Finanzen. Die Kombination IV/IV auf der Steuerkarte bringt erheblich mehr als die süße Hoffnung auf lebenslanges Liebesglück. Jawohl, wir sind zurück auf dem Boden der Tatsachen, nach sechs Jahren Ehe schließlich auch kein Wunder, nicht wahr?

Nun aber könnte unsere abgeklärte Haltung gefährlich ins Wanken geraten dank der glorreichen Idee eines Reiseveranstalters. Die "Spontantrauung mit Flitterwochen auf Karibikinsel" wollte der uns unterjubeln, eine, man mag’s kaum glauben, "Last-Minute-Hochzeit". Wer, so fragen wir uns, wird sich da angesprochen fühlen? Doch sicher nur die ganz Abgebrühten, die selbst vor einem Auftritt bei Linda de Mol nicht zurückschrecken?

Obwohl: Irgendwie klingt die Sache auch für Realisten wie uns verheißungsvoll: "Heiratswillige Paare" jetten für vierzehn Tage nach St. Lucia, um sich dort, im milden Licht der karibischen Sonne und "in dem eleganten Ambiente" einer Luxusherberge, mal eben unter die Haube zu begeben. Hoffnungslosen Romantikern rieselt’s jetzt wahrscheinlich kalt den Rücken runter. Im schlimmsten Fall sogar Leuten, die sich eigentlich auf ewig dem Junggesellendasein verschrieben hatten.

Doch genau damit ist dann Schluß. Hier kehrt keiner als Single heim, das nämlich ist nicht erlaubt. Wer in den Genuß dieser Reise kommen will, zum "Sonderpreis" von 3399 Mark pro Kopf noch dazu, der "muß" auch den "Bund fürs Leben" schließen. Ohne Traumhochzeit keine Traumreise, basta. Mogeln wäre sowieso zwecklos, denn als Trauzeuge wurde der Hoteldirektor gedungen. Und jener, versteht sich, würde petzen.

Gut organisiert, die Sache, keine Frage. Gerade recht, um manch ewig zaudernden Dauerverlobten blindlings in die Falle aus "Blumenschmuck" und "offenen Getränken" tappen zu lassen. Zugegeben: Auch wir kommen langsam wieder in Fahrt. Außerdem dachten wir gerade an unsere vorige Trauung. Auf dem Standesamt bloß, im Dezember, der Zukünftige mit einem schweren Katarrh kämpfend und darum kaum fähig, ja zu sagen. Nicht gerade ein Aphrodisiakum.

In diesen Zeiten hingegen geraten alle völlig aus dem Häuschen, wenn irgendwer in den heiligen Stand der Ehe treten will. Banken, Reisebüros, die Politiker. Letztere haben neulich sogar genehmigt, daß Frauen jetzt ihren Namen behalten dürfen. Wir damals muß-, ten schon dankbar für die Erfindung des Bindestrichs sein.

Brigitte Wolter-Edelmann