Rechnen Sie die Gesamtzeit aus, die Sie wöchentlich vor dem Fernseher, am Radio, in der Kneipe und bei Sportveranstaltungen verbringen. Nehmen Sie zehn Prozent der gewonnenen Summe. In der kommenden Woche verbringen Sie diese zehn Prozent mit für Sie ungewöhnlichen Tätigkeiten:

Unternehmen Sie lange, einsame Spaziergänge; unternehmen Sie lange Spaziergänge mit einem alten Freund, den sie viele Jahre nicht getroffen haben; legen Sie eine Liste aller Dinge an, die Sie in der populären Kultur verabscheuen; legen Sie eine Liste aller Dinge an, die Ihnen in der populären Kultur gefallen; was Sie ändern würden, wenn Sie kommunaler Kulturkommissar wären; legen Sie eine Liste aller Dinge an, die Ihnen am städtischen Museum oder der jüngsten Kunstausstellung nicht gefallen (oder sehr gefallen); stellen Sie fest, ob die Schule Ihr Kind zu einer positiven Risikobereitschaft erzieht; schreiben Sie ein Gedicht (oder lassen wir das mit dem Gedicht, schreiben Sie einfach nur ein paar Worte, die Ihnen wichtig sind); vergleichen Sie den Feuilletonteil Ihrer Tageszeitung mit dem Sportteil, dem Wirtschaftsteil und dem Immobilienmarkt. Fragen Sie einen Kollegen, was er gern anschaut, hört, liest, anschließend nutzen Sie einen Teil der zehn Prozent Extrazeit, um seinen Geschmack auszuprobieren.

Risiko No. 3 Ihre Radionutzung:

Rufen Sie bei einem Rundfunksender an und sagen den Leuten dort, was Sie vom Programm halten (überlegen Sie nur mal, was Radio bedeutet – eine ganze Welt aus Klang/Information/Hintergrundlärm, von der Sie überall und fast jeden Tag umgeben sind. Welche Rolle spielt das Radio in Ihrem Leben? Es berührt Ihr Leben – warum also reagieren Sie nicht? Schicken Sie den Radioleuten eine Liste der zehn langweiligsten Titel, die immer wieder gespielt werden, oder einen Kommentar über einen Moderator, den Sie sich jeden Tag anhören müssen; oder teilen Sie Ihren Wunsch nach einem anderen Programm mit. In den USA gilt bei den Sendern jeder Hörerbrief soviel wie 10 000 Hörer, die es nie zu einem Brief bringen!). Vergessen Sie nicht, daß es in der Geschichte des Radios nicht den geringsten Hinweis darauf gibt, daß die Übertragung von Wellen durch den Raum notwendig in einem passiven Hör-Gerät (genannt "Radio") enden muß.

6. Es ist Ihre Kultur.

(Schüttle sie, bis sie tanzt! Oder pack sie, bis sie verfault!)

– Die Sehnsucht nach dem Risiko ist die Sehnsucht danach, unkontrolliert zu sein, etwas zu tun oder zu erleben, das mehr ist als die Summe seiner Teile, etwas Besonderes, Angenehmes, etwas Unberechenbares. Es ist die Sehnsucht, mit seinen Talenten/Gedanken/Alternativen/Ideen "Stoff" zu schaffen, "Material", "Form", Beziehungen, Funktionen, die davor noch überhaupt nicht existierten.