Ich bin seit Wochen auf Reisen, unterwegs zwischen Berlin, Stockholm und Stuttgart. Ich spreche mit Menschen, mit Geistern und Engeln. Ich lerne und lehre und leihe den Überirdischen meinen Körper und meine Stimme. Ich bin hier und jetzt im Alltag, der grau oder grün sein kann, und gleichzeitig kenne ich die zeitlose Wirklichkeit jenseits des Sichtbaren.

Der Tag beginnt zwischen sieben und acht Uhr mit Dank für den neuen Morgen, mit Meditation und Yoga-Übungen. Dann trinke ich meinen Pfefferminztee und esse mein Müsli in Gesellschaft von Ralph und Nicholas, den anderen Lehrern vom Institut für Persönliches Wachstum. Unsere Freunde und Schüler organisieren die Reise. Sie buchen Termine und sorgen für Unterkunft und Verpflegung.

Ab neun Uhr kommen Menschen, die meinen Rat suchen. Es sind Menschen aller Altersgruppen, aus den unterschiedlichsten Bereichen der Gesellschaft. Ich treffe sie in einem besonderen Raum. Bei einer Beratung bitte ich sie, ihren Namen und ihren Geburtstag aufzuschreiben. In allem, in der Schrift, in der Stimme, in der Farbe der Kleider, finde ich Formen von Lebensenergie. Es ist eine Aura, es sind Schwingungen, die ich berühre und begreife. Ich habe gelernt, mich selbst zurückzunehmen, alle Sinne zu öffnen und zu fühlen, was in und um einen Menschen vorgeht. Ich beginne also, dem zu vertrauen, was von dem anderen sich auf mein Bewußtsein und auf meinen Körper überträgt, und spreche aus, was ich fühle.

Ich versuche, Fragen zu beantworten und jeden zu ermutigen, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Jemanden, der in einer festgefahrenen Situation sitzt, frage ich, ob er für den Rest seines Lebens an den Erwartungen von Eltern und Gesellschaft kleben will, ob er widerwillig die Wünsche und Erwartungen anderer erfüllen und sich und sie dafür verachten will. Wenn wir glücklich werden wollen, müssen wir nicht darauf warten, daß andere uns glücklich machen. Wenn wir geliebt werden wollen, müssen wir damit anfangen, uns selbst anzunehmen. Es geht nicht um komplizierte intellektuelle Prozesse. Es sind die einfachen Dinge: wie man die Vergangenheit verstehen kann, wie man einander vergeben kann, wie man lernt, Frieden zu schließen. Eine Beratung kostet 175 Mark.

Mittags treffen sich die Freunde und Lehrer wieder. Wir essen zusammen, reden vielleicht auch über das Wetter. Ich weiß, die Alltagswelt existiert ganz unübersehbar um uns herum, und ich gehöre dazu. Ich rauche Zigaretten, gehe gelegentlich joggen und trinke manchmal einen Kognak. Aber es gibt mehr als diese physische Identität, diese Gestalt Wendy mit ihren Schwächen und Grenzen. Als Medium kann ich Gedankenschwingungen derer wahrnehmen, die im Geist leben, in den für uns unsichtbaren Dimensionen. Ich kann ihre Botschaften übertragen.

In der Trance versetze ich mich in einen tieferen Zustand des Bewußtseins. Ich gebrauche dazu eine besondere Atemtechnik und eine bestimmte geistige Vorbereitung. Dann überlasse ich den Geistern der universellen Weisheit meine Stimme und meinen Körper. Mein irdisches Ich nimmt das nicht wahr. Es ist wie ein Traum, in dem ich mir selbst aus der Ferne zuschaue.

Die Besucher spüren, wie sich die Atmosphäre, wie sich die Schwingungen im Raum verändern. Wenn das universelle Geistbewußtsein aus mir spricht, erfahren sie Gefühle von Liebe und Zuneigung. Manchmal spricht der Geist Dinge aus, die die Menschen lange mit sich herumgetragen haben, aber nie auszusprechen wagten. Manchmal, wenn ich aus der Trance zurückkomme, sehe ich Menschen weinen. Andere, die kommen, sind sehr skeptisch, wissen nicht, was sie erwarten sollen. Da muß ich mehr Energie einsetzen. Und alles, was sie aus einer Sitzung mitnehmen, ist vielleicht die Gewißheit, daß es mehr gibt als die physische Dimension in dieser materiellen Welt. Eine "Trance-Channeling"-Sitzung kostet 210 Mark.