Von Ulrich Schiller

Washington

Hillary Rodham Clinton faucht und kontert hart. Als "unverschämte Lügen" kanzelt sie alles ab, was alte Gegner aus Arkansas kürzlich den hungrigen Medien auftischten: Ehemann Bill soll als Gouverneur von Arkansas so manchen Seitensprung getan haben; Leibwächter, die seine Extratouren abgeschirmt haben wollen, reden jetzt und behaupten obendrein, der Präsident habe ihnen Schweigeprämien versprochen.

Keine Fragen zu den Skandalgerüchten bitte! verlangte die First Lady von den nationalen Fernsehanstalten, denen zum Jahresende Interviews zugesagt waren. Die networks verzichteten. Hillary Rodham Clinton kann das verschmerzen. In Imagefragen ist sie längst in subtilere Bereiche vorgedrungen.

Kaum hatten sich die Amerikaner damit abgefunden, daß ihre First Lady ein aktives, selbständiges Intelligenzbündel ist, ein politischer Profi, schon wartet sie mit drei Photos in Vogue auf, im Dezemberheft des amerikanischen Modemagazins: liegend, den Kopf auf den Armen, traute Wärme im Blick; dann erwartungsvoll mit halbgeöffneten Lippen; ein drittes Mal im Profil, eine 975 Dollar teure Donna-Karan-Kreation aus schwarzem Samt kontrastiert mit goldblondem Haar. Die Prominentenphotograpfiin Annie Leibovitz hat die Bilder gemacht. Sexy? Ach nein. Aber feminin. Hillary, so glaubt ein erfahrener Washingtoner Anwalt, will beweisen, daß man Macht und Einfluß haben und zugleich Frau sein kann. Der neue Feminismus eben.

Der Kontrast zur Vorgängerin Barbara Bush ist atemberaubend. Auf der Beliebtheitsskala liegt Barbara Bush zwar noch immer einen Zoll vor Hillary, aber alles weitere von Gallup ist Triumph: Drei von vier Amerikanern finden Hillary warm und liebenswert, ein Vorbild für andere Frauen, als Kabinettsmitglied geeignet, ja sogar ein Beispiel für den "Neuen Demokraten". Fast die Hälfte der Befragten urteilt, Hillary sei qualifiziert für die Präsidentschaft, ihr Einfluß auf die Politik sei gerade richtig.

Als ob es das Ungetüm im Weißen Haus, für das die Medien (in Amerika und auch in Europa) viele Namen erfunden hatten, nie gegeben hätte: Femi-Nazi, Ultraliberale (sprich Linke), machtgeile Karrierefrau, gestylte Emanze; mit einer gehörigen Portion Niedertracht sogar "die Heilige Hillary", ein Etikett des New York Times Magazine. Hillary wurde da in Engelweiß als Weltverbesserin lächerlich gemacht, nachdem sie, Ende Mai, die innere Erneuerung des Landes gefordert hatte. Vehement reagierten auch Talk-Shows und die übrige Presse. Feministinnen beklagten sich. Andere höhnten über "die Supergescheite": Eine Lady Macbeth sei sie, die durch ihren Einfluß auf Bill die Präsidentschaft zu usurpieren drohe.