DIE ZEIT

Zeitspiegel

Lothar de Maizière ist wieder auf dem Weg nach oben. Ein politisches Comeback plane er nicht. Er sei ein stiller Mensch, öffentlich unbedarft und froh, daß er nach seinem „beharrlichen Abstieg“ – Musiker-Anwalt-Politiker – jetzt wieder Anwalt sei.

Wahrheit in der Lüge

Nein, Hysterie war es nicht, leider, als vergangene Woche etwa 15 000 Menschen in Halle demonstrierten und die Medien, auch diese Zeitung, entsetzt kommentierten.

Weil Sozialdemokraten und 68er nicht auf sie hören wollen, müssen sie fühlen: Brigitte Seebacher-Brandt führt das politische Vermächtnis ihres Mannes gegen seine, vor allem aber ihre Gegner ins Feld: Die Erbin auf dem Kriegspfad

Sie wollen alle nicht hören. Rudolf Scharping nicht, die Linken nicht und ganz besonders die Intellektuellen nicht. Hören will nicht die Friedrich-Ebert-Stiftung, und hören wollen nicht die Brandt-Freunde, Ehmke oder Börner, Falin oder Bahr, fast alle, die er hoch geschätzt und die sie niedergeredet oder, wie im Falle Falins, auch niedergeschrieben hat.

Marode Parteien rüsten sich zur Neuwahl im Frühling: Dialektik auf italienisch

Der Händedruck tat gut und weh. Staatspräsident Oscar Luigi Scalfaro und Regierungschef Carlo Azeglio Ciampi, zwei alte Herren, fern von persönlichen wie parteilichen Machtgelüsten, besiegelten am vorigen Wochenende in Rom das Ende des letzten, kurzlebigsten Parlaments der ersten, durch unglaubwürdig gewordene Parteien zerrütteten Republik Italien.

Norwegens Außenminister Johan Jørgen Holst ist tot: Unermüdlich

Richtig wahrgenommen hatte ihn die Welt erst im September vergangenen Jahres. Da saß der große, hagere Mann mit dem schüchternen Lächeln etwas linkisch auf der Ehrentribüne vor dem Weißen Haus in Washington, als sich Israels Premierminister Rabin und PLO-Chef Arafat unter der Regie Bill Clintons die Hand reichten.

Bonner Bühne: Spiel mit, Genscher

Peinlich, peinlich. Da ging doch in Bonn ein Staatsgast samt Eskorte unbemerkt verloren. Bei der Anfahrt zum Auswärtigen Amt verlor sich die Spur der schwarzen Limousine.

Ob im Altersheim oder in der Dritten Welt – jeder junge Europäer sollte der Gemeinschaft einen Dienst erweisen: Soziales Pflichtjahr für alle

Von Marcell von DonatBRÜSSEL. – Sir Ralf Dahrendorf hatte die Idee gehabt. Bundespräsident Richard von Weizsäcker wollte sie letztes Jahr in München in die öffentliche Diskussion tragen, und das Weißbuch der EU-Kommission über Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung schlägt sie den zwölf Regierungen der Europäischen Union vor, um auf die Gegenwartskrise zu reagieren.

Robert Havemann: Keinen Anspruch

BERLIN. – Am Ende traute mancher den eigenen Ohren nicht: der Rechtsstreit Havemann contra Humboldt-Universität ein „Wald- und Wiesenfall“? Die eminent politische Frage, wie jahrzehntelange berufliche Ausgrenzung in der früheren DDR heute wiedergutgemacht werden könnte, kein Rechtsproblem von grundsätzlicher Bedeutung? Und doch ist es jetzt so entschieden.

Vom Klagen

BERLIN. – Ist es die deutsche Selbstbesessenheit oder bloß die wachsende Verunsicherung? Statt in genußvoller Erschütterung die abendliche Katastrophenschau des Fernsehens über sich ergehen zu lassen, sind die Deutschen immer gleich bei den Kalamitäten der Vereinigung.

Arroganz der Macht

Die Nerven bei der Deutschen Bank liegen blank. Vorstandsmitglied Carl-Ludwig von Boehm-Bezing beschimpfte während der Rettungsaktion für die bedrohte Metallgesellschaft am vergangenen Samstag lauthals französische Kreditgeber, weil sie nach stundenlangen Verhandlungen immer noch nicht seinem Finanzierungsplan zustimmen wollten.

Quellensteuer: Flüchtig

Die deutsche Quellensteuer ist ein Flop. 24 Milliarden Mark wollte Bonn mit der sperrigen „Zinsabschlagsteuer“ kassieren. Statt dessen wurden es nur elf Milliarden Mark.

Bonner Kulisse

Neun Monate vor der Bundestagswahl entdecken auch die Nachzügler unter den Politikern, daß man mit dem Thema "schlanker Staat" Wähler ansprechen kann.

Hessen-Lotto: Raffgier und Vetternwirtschaft – die Landesregierung in der Krise: Vom Glück verlassen

Davon träumt jede Opposition: einen Staatssekretär ungestraft als "Lügenbaron" bezeichnen zu können, den Geschäftsführer eines Staatsunternehmens als "Oberabsahner" identifiziert zu haben, einen guten Grund zu kennen, gnadenlos den Kopf der Finanzministerin zu fordern – und sich bei alledem auch noch der mehr oder weniger offenen Zustimmung aus den Reihen der Regierungsparteien gewiß zu sein.

Ausländer steigen aus

Die in den letzten Wochen am deutschen Aktienmarkt rückläufigen Kurse stellen sich immer deutlicher als eine Tendenzwende heraus.

Manager und Märkte

Gruner + Jahr: Mit Vorsprung in den neuen Markt Deckel Maho: Schlappe für die Deutsche Bank Cartier: Ende eines langen Streits

Verdienst

Noch gilt Deutschland als klassisches Industrieland. Kein vergleichbarer Staat hat relativ gesehen mehr Beschäftigte im verarbeitenden Gewerbe.

Boykott ist die einzige Form studentischer Mitbestimmung: Streik, was sonst?

Stellt euch vor, es ist Vorlesung und keiner geht hin: Die Studenten trollen sich in die Cafeteria oder versuchen die verlorene Zeit in der Bibliothek einzutreiben, ein paar Idealisten nudeln einen weiteren Streikappell durch den Vervielfältiger, und die Professoren eilen hoch erfreut an den heimischen Schreibtisch.

Lehrzeit

Die „Freischuß“-Regelung, mit der in fast allen Bundesländern seit gut einem Jahr das Jurastudium verkürzt werden soll, hat sich bewährt.

Kein Ei wie das andere

Zum ersten Mal seit vielen Jahren soll in Deutschland wieder eine Atomanlage gebaut werden. Der Münchner Forschungsreaktor ist umstritten

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