Daß im Herbst des vergangenen Jahres das Vorhaben der SPD scheiterte, von Uckro einen zweiten hochdotierten Lottogeschäftsführer zur Seite zu stellen – die Genossen hatten ihren Schatzmeister Peter Hartherz schon auserkoren –, macht die Affäre kaum erträglicher. Selbst von Uckro prophezeit seinen Parteifreunden in der Regierungsmannschaft nun schwere Zeiten – nicht nur, weil Tag für Tag neue Ungereimtheiten aus dem Lottosumpf bekanntwerden, sondern auch deshalb, weil von Uckro selbst gegen seine vorzeitige Entlassung nun wohl prozessieren wird. Ob sich die Finanzministerin Annette Fugmann-Heesing wird halten können, bezweifeln sogar ihre engsten Mitarbeiter – zumal die Staatsanwaltschaft in Wiesbaden ein Ermittlungsverfahren gegen sie eingeleitet hat: wegen "Untreue zum Nachteil des Landes Hessen".

Dabei ist es kein Geheimnis, daß mit Lottogeld Politiker im ganze Land gern versorgt werden – ob in Bremen, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen oder in Niedersachsen, wo Reinhard Scheibe, zuvor Chef der Staatskanzlei von Ministerpräsident Gerhard Schröder, den mit 220 000 Mark dotierten Job beim Lotto innehat. Nur die Bayern sind vor Filzokratie sicher. Dort managt ein Beamter namens Karl Rodler das Geschäft mit dem Glück. Er wird nach B 5 besoldet, sein Jahressalär inklusive Ortszuschlag beträgt 144 586 Mark.

Wem das bayerische Modell nicht paßt, wer aber dennoch Affären wie in Hessen ausschließen will, dem bleibt nur eine Alternative: die Privatisierung des Glücksspiels. Das auch nur öffentlich zu fordern, fürchten freilich selbst jene, die es besser wissen – keine Gefahr also für die Pfründenwirtschaft.