Die Präsenz von Autoren aus dem Republikaner-Umfeld ist unübersehbar. Johanna Grund, 1989 für die Republikaner ins Europaparlament eingezogen (und unterdessen nicht mehr in ihrer Partei), räumt die Junge Freiheit sogar jeweils eine ganze Anzeigenseite ein, auf der die einstige Schönhuber-Vertraute über ihre bescheidenen politischen Aktivitäten informiert. Hans-Ulrich Kopp, laut Impressum verantwortlich für Weltpolitik, war Gründungsmitglied des Rep-Hochschulverbandes. Öffentlich zu seiner Vergangenheit als Neonazi hat sich Jürgen Hatzenbichler bekannt, der heute für die Berichterstattung aus Österreich zuständig ist. Er war Mitte der achtziger Jahre Funktionär der Nationalen Front in Kärnten und nahm an Wehrsportübungen teil. Daneben schrieben für die Junge Freiheit als Redakteure und Autoren in den letzten Jahren neben dem Exrepublikanerchef von Berlin und seinem Pressesprecher auch weitere Rep-Funktionäre und ein früherer Vorsitzender des nationaldemokratischen Hochschulbundes.

Eine Distanzierung von eindeutig Rechtsradikalen fand und findet in der Jungen Freiheit nicht statt. Eher schon das Gegenteil. Im letzten Dezember-Heft stimmte der verantwortliche Kulturredakteur des Blattes ein Loblied auf den Chef der größten rechtsradikalen Verlagsgruppe in Deutschland an, auf Gert Sudholt, der vergangenen Sommer in Landsberg hatte einsitzen müssen. Kein Wort über den Grund für die Haft. Sudholt war verurteilt worden, weil er 1987 in den damals von ihm herausgegebenen Deutschen Monatsheften (zu deren Autorenkollegium auch Gustav Sichelschmidt gehörte) einen Artikel des französischen Holocaust-Leugners Robert Faurisson gedruckt hatte. Darin wurde unter anderem der Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel als „wichtiger Falschzeuge“ für die Morde in den NS-Vernichtungslagern bezeichnet.

Gewisse Sympathien für die sogenannten „Revisionisten“ scheint es in der Jungen Freiheit-Redaktion zu geben. Bereits 1990 hatte das Blatt unkommentiert David Irving für das Kultbuch der Holocaust-Leugner, den Leuchter-Report, werben lassen. Bis heute werden diese pseudowissenschaftlichen „Forschungen“ nicht a priori abgelehnt. In Wilhelm Stäglichs schon lange verbotenem Machwerk „Der Auschwitz-Mythos“ entdeckte die Junge Freiheit im vergangenen September „interessante juristische Studien über die Strafprozesse um das KZ Auschwitz“. Und selbst dem Amerikaner Fred A. Leuchter wird nur die Überarbeitung seines „fehlerhaften und mit voreiligen Schlüssen versehenen“ Reports empfohlen.

Spätestens in solchen Artikeln wird deutlich, was in der Jungen Freiheit nicht stattfindet: der konservative Aufbruch, den sich die politische Prominenz von Gauweiler bis Mayer-Vorfelder von diesem Blatt erhofft hat. Statt sich zu einem intellektuellen Kampforgan der Unionsrechten zu entwickeln, ist die Junge Freiheit zu einem publizistischen Sammelbecken für alle geworden, die das politische System der Bundesrepublik von der rechten Ecke aus ablehnen.

Den spende- und interviewfreudigen Gönnern aus dem bürgerlichen Lager scheint das nicht bewußt zu sein. Noch immer glauben sie, die Junge Freiheit und damit auch die zumeist jugendlichen Leser in ihrem Sinn beeinflussen zu können. Aber das wird ein Trugschluß bleiben. Denn entkleidet vom alternativen Mäntelchen präsentiert sich die Junge Freiheit als das, was sie immer war: ein rechtsradikales Blättchen, das einen Ritterkreuzträger genauso würdigt wie Botho Strauß. Das altbekannte Gebräu wurde nur in neue Schläuche gefüllt, explosiv ist es geblieben.