Neulich saß Finis in der Badewanne (er badete, wie immer, lau) und betrachtete mit erkennbarem Behagen sein, äh ... seinen, ächz... Egal, hierauf kommt es überhaupt nicht an. Es kommt nur auf die Liebste an. Finis’ Liebste nämlich stand in der Badezimmertür und beobachtete mit erkennbarem Behagen, wie unser Held mit erkennbarem Behagen, stotter... Und sie sagte einen, unvergeßlich schönen Satz: "Schön", sagte sie, "wenn einem das Eigene gefällt."

Der Leser: Pfui Teufel! Solche Texte wollen wir hier nicht lesen! Weiß Gräfin Dönhoff, weiß Helmut Schmidt überhaupt, was hier geschieht? Unfaßbar!

Ja, lieber Leser, ganz unglaublich. Natürlich müssen Sie Texte wie den obenstehenden in einem liberalen Blatt nicht lesen. Sollten Sie Lust auf erkennbar Behagliches verspüren, werden Sie vom Magazin der FAZ definitiv besser bedient. Dort lasen wir kürzlich (als Achtundneunzigstes Stück der Neuesten Folge des Notizbuchs Johannes Gross) diesen Selbstversuch des hochrenommierten Autors. Gross also über Gross: "Neulich beobachtete die Liebste, wie ich mit erkennbarem Behagen Selbstverfaßtes las. Schön, sagte sie, wenn einem das Eigene gefällt."

Ach ja, nun endlich kennen wir auch sie, Gross’ Liebste, an welcher von herausragendem öffentlichem Interesse vor allem eines ist: daß sie Gross liebt und daß sie am meisten an Gross Gross’ Eigenliebe liebt. Schluck...

Natürlich nur aus Neid stellen wir die mahnende Frage, ob die sogenannte, die einstmals heilige Liebe nicht vom ewigen öffentlichen Gerede über die Liebe schamlos besudelt wird. Wie da in jeder Talkshow jedermann und jedefrau ungefragt und ungebremst von allen Liebsten (nebst Liebesglück und Liebesleid) offenherzigst faselt. Wie in Feuilletons, denen einstmals die Kultur das Liebste war, heutzutage spaltenlang und lebensfeucht über die "Geliebte" gelabert wird. Wo doch die Liebe, mehr als alles andere auf der Welt, das Schweigen braucht, das Geheimnis: nicht alles voneinander zu wissen und vor allem nicht alles übereinander auszuplaudern. Seufz...

P.S. In diesem Augenblick liest endlich auch der Chefredakteur diesen Beitrag. Sein Behagen ist unverkennbar. Schön, sagt er, wenn einem die eigene Zeitung gefällt.

Finis